(Mehr)katzenhaushalt

Leider gibt es einen aktuellen Anlass, weshalb wir zu diesem Thema etwas zum Besten geben müssen. Unser absolut entzückender junger Kater WILLI ist uns zurück gebracht worden.
Willi ist mit seinen Geschwistern von einer sehr lieben Pflegefamilie groß gezogen worden. Geboren von einer scheuen Mutter mit drei Geschwistern hätte Willi keine Chance gehabt, jemals ein behütetes Katzenleben führen zu können, wenn er nicht mit ca. 8 Wochen eingefangen worden wäre. Der erste Bruder war relativ schnell vermittelt, die beiden Schwestern durften zusammen ausziehen und Willi ist mit einem dreiviertel Jahr auch vermittelt worden.

Willi ist immer in der Nähe seines Menschen. Er kann nicht gut alleine bleiben. Er leidet unter Verlassensängsten.

In Willis neuem Zuhause gab es bereits eine Katze, der kätzische Partner war gestorben und Willi sollte nun für Ersatz sorgen. Es lief gleich sehr holprig an. Willi kam, verständlicherweise, die erste Woche vor lauter Schreck nicht unter dem Bett hervor. Man wollte ihn damals schon zurück bringen, weil man einfach keine Geduld mit ihm hatte … Kurz bevor er kommen sollte, hat er sich dann aber doch getraut und nun sollte er bleiben. Wir waren skeptisch, konnten aber nicht viel ausrichten.

Seine neue Familie hatte sich als katzenerfahren vorgestellt. Sie hatten immer Katzen, hieß es. Das entspricht auch der Wahrheit … jedoch heißt das noch lange nicht, dass man Katzen auch versteht.
Willi wurde also zutraulicher und zeigte seine liebste und anhänglichste Seite. Willi hatte als Welpe am längsten gebraucht sich zu Streicheleinheiten durchzuringen, war dann aber der schmusigste von allen. Und der Sensibelste. Mit der neuen kätzischen Freundin lief es auch ganz gut an, er legte sich zu ihr, suchte Nähe und wir waren etwas beruhigt … bis … eine dritte Katze ins Spiel kam!!!! Man muss es sich vorstellen: Eine normal große Stadtwohnung in einem Mietshaus … mit drei Menschen und drei Katzen! Wir waren nun mehr als skeptisch!!! Die Tiere konnten zwar über den Balkon nach Draußen gelangen, jedoch brauchen die Tiere selbstverständlich auch in ihrem Zuhause einen gewissen Raum für sich. Der schrumpfte nun zusehends. Wir fragten immer wieder nach, wie es läuft, ob alles ok sei usw. Anfangs bekamen wir auch noch Auskunft, irgendwann wurde es dann sehr sparsam mit den Informationen. Es sei alles in Ordnung hieß es … bis jetzt:

Nun war die Situation wohl derart eskaliert, dass auch die Familie einsehen musste, dass es so nicht weitergehen kann. Inzwischen gab es eine VIERTE Katze in der Wohnung und Willi kam mit den anderen Katzen nicht mehr zurecht. Es hieß, er würde die Katzen beißen und sie von den Plätzen verscheuen wollen usw. Wir waren sehr froh, dass man uns hier informiert hat und sich dazu entschlossen hat, ihn uns zurück zu bringen.

Willi kam und was wir nun hier festellen, ist mehr als tragisch …
Willi ist nach wir vor ein bezaubernder, junger, sehr sehr anhänglicher bildschöner Kater. Mit reichlich Übergwicht (Kummerspeck).
Und einem großen Gepäck auf dem Rücken:
Willi ist extrem unsicher in seinem Verhalten, er kann überhaupt nicht alleine bleiben, nachts fängt er panisch an zu schreien obwohl man neben ihm liegt, er kneift den Schwanz zwischen die Hinterbeine und stellt die Ohren flach. Er mag nicht recht fressen und vor der Katzenangel hat er Angst.
Er zeigt keine Spur von Agressivität oder Dominanz. Im Gegenteil. Er traut sich nicht, sich auf das Sofa zu legen. Er liegt unter dem Tisch … an den Füßen … ganz nah. Er folgt auf Schritt und Tritt und ruft jedes Mal hinterher, sobald man den Raum verlassen will.

Willi lebt aktuell bei seiner alten Pflegefamilie. Mit viel Geduld und Verständnis versuchen wir, Willis Selbstbewusstsein wieder aufzubauen.

Willi hat Trennungsangst. Wir sind sicher, dass er nicht der Agressor war in seinem alten Zuhause. Er wusste sich nur nicht mehr zu helfen.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie werden in einen neuen, Ihnen völlig fremden Haushalt gesetzt. Zu fremden Menschen, fremden Tieren. Sie sind dort eingesperrt, müssen also bleiben und sich damit abfinden.  Endlich haben Sie sich an alles gewöhnt und fühlen sich auch einigermaßen wohl. Sie vertragen sich halbwegs mit dem Kollegen/Artgenossen und jeder weiß, wo die Grenzen des jeweils anderen sind. Alle Ressourcen (dazu gehören Ruheplätze, Futternäpfe, Toiletten aber auch die Menschen und deren Aufmerksamkeit) sind aufgeteilt und man kann sich darauf verlassen, dass diese Aufteilung von allen Seiten respektiert wird. Man kann sich zuhause entspannen. Alles ist soweit in Ordnung.
Dann zieht mit einem Mal ein neuer Mitbewohner ein. Den haben Sie sich aber nicht ausgesucht und Sie sind auch nicht gefragt worden ob sie damit einverstanden sind. Vielleicht fehlt die Sympathie. Der ist vielleicht ganz anders als Sie, ist viel lauter und aufdringlicher. Alles wird doch sehr unruhig in dem Zuhause wo Sie sich eigentlich vom täglichen Stress draußen erholen möchten. Der neue Mitbewohner braucht auch Ruheplätze und will einen ruhigen Futterplatz und natürlich beansprucht er auch Zeit und Aufmerksamtkeit seiner Menschen. Mit der alten Kollegin kommt der neue Mitbewohner viel besser zurecht als Sie und mit einem mal stehen Sie alleine da. Sie müssen wieder diskutieren und verhandeln und schauen, dass Sie zu Ihrem Recht kommen. Der neue Mitbewohner akzeptiert auch nicht, dass der Platz auf der Fensterbank Ihnen gehört. Er will den Platz für sich haben. Immer wieder, jeden Tag müssen Sie nun erst einmal darum kämpfen, auf Ihrem Platz liegen zu können. Dann, irgendwann, nach einer wirklich anstrengenden Zeit, haben Sie sich alle arrangiert. Sie bleiben so lange wie es geht  Draußen und entziehen sich so den elenden "Diskussionen" zuhause. Aber irgendwie klappt es dann – so halbwegs. 
Und dann ... kommt wieder ein neuer Mitbewohner. Ein DRITTER!! Wo soll der hin? Alle Plätze sind doch belegt … ?! Sie sind völlig überrumpelt und können es gar nicht fassen, dass nun alles wieder von vorne losgehen soll. Und zudem ist der neue Mitbewohner auch noch ein Teenager! Er will ständig spielen und raufen und toben … Sie möchten doch nur Ihre Ruhe haben! Jetzt reicht es! Jetzt machen Sie mal den Mund auf und sagen, was Sie davon halten!! 
Sie fühlen sich natürlich im Recht und Sie sind sich auch sicher, dass Ihre Menschen Ihnen hier nur zustimmen können und Ihnen zur Seite stehen! Aber weit gefehlt! Niemand steht hier auf Ihrer Seite. Im Gegenteil. Dem neuen Mitbewohner wir hier beigestanden – er ist ja noch ein Kind. Klar! 
Sie sollen gefälligst Rücksicht nehmen und sich nicht so aufregen.  Jetzt halten auch noch Ihre Kollegen alle zusammen. Sie werden angeschrien wenn Sie sich auf Ihren Platz setzen wollen. Was sollen sie nun tun? Sie müssen sich wehren. Sie schreien zurück! Das war auch wieder falsch – nun dürfen Sie gar nicht mehr dabei sein. Sie werden einfach ausgesperrt. Müssen alleine bleiben. Niemand will etwas mit Ihnen zu tun haben. Zwei Kollegen haben sich gegen Sie verbündet. Sie werden schon wütend, wenn Sie die nur von weitem sehen! Alles haben sie Ihnen weggenommen. Sie sind am Ende mit den Nerven, völlig gestresst – und absolut verzweifelt.
Oder ist es doch Ihre Schuld? Haben Sie alles falsch gemacht und müssen nun deshalb alleine sitzen? Vermutlich liegt es nur an Ihnen und Sie haben es nicht anders verdient als angeschrien zu werden … Oder?

So geht es unserem kleinen Kerl. Er ist extrem verunsichert und zurückhaltend. Er steht ständig unter Strom und ist in jeder Sekunde hoch aufmerksam. An Entspannung ist nicht mehr zu denken. Willi muss nun sein völlig zerstörtes Selbstbewusstsein wieder aufbauen. Er muss wieder lernen zu vertrauen. Vertrauen in seine Umgebung und aber auch in sich selbst. Es ist wirklich herzzerreißend anzusehen, wie unsicher er ist.

Hier ein Apell an alle Katzenhalter: Es ist wirklich toll, wenn Sie einer Katze ein Zuhause schenken. Für jedes Tier ist es ein Segen, wenn es weiß wo es hingehört und sich dort sicher und behütet fühlen kann. Aber bitte überlegen Sie gut, wenn Sie mehrer Katzen halten möchten, ob es sich auch realisieren lässt. Ob dabei auch die Bedürfnisse jeder einzelnen Katze Berücksichtigung finden. Beobachten Sie Ihr Tier genau. Nicht jedes Tier ist gesellig, manche Tiere mögen lieber alleine mit ihren Menschen sein. Sie tun am Ende niemandem einen Gefallen, wenn Sie unbedingt mehrere Katzen halten möchten.
Katzen sind soziale Wesen und sie halten auch Kontakte zu ihren Artgenossen. Sie kommunizieren, sie tauschen sich aus und manchmal vertiefen sich die Kontakte so sehr, dass daraus Freundschaften werden. Man kann es jedoch nicht erzwingen. Wie bei uns spielen Sympathie und gleiche Interessen usw. eine große Rolle. Und vor allem muss für jedes einzelen Individuum die Möglichkeit bestehen, sich jederzeit zurückziehen zu können. Dafür braucht man den entsprechenden Platz. Katzen sind Reviertiere. Sie orientieren sich sehr an ihrer Umgebung und sie beanspruchen einen gewissen Raum nur für sich alleine. Das gilt sowohl für das Revier draußen als auch Zuhause. Besteht räumlich nicht die Möglichkeit für jede Katze ein eigenes Revier zu haben, können Sie davon ausgehen, dass es über kurz oder lang zu Streitereien kommt. Folge ist, dass alle extrem gestresst sind. Tiere und Menschen. Katzen reagieren unterschiedlich. Die einen laufen weg und suchen sich ein anderes Zuhause, andere gehen auf Angriff oder fangen an zu pinkeln und wieder andere ziehen sich zurück und leben nur noch im Versteck. Alles nicht erstrebenswert.
Also, bitte überlegen Sie gut, wie, wo, wann, warum und ob Sie wie vielen Tieren ein wirkliches ZUHAUSE anbieten können.

Hoch aufmerksam beobachtet er seine Umgebung und hat kaum Muße mit Genuss seine Mahlzeiten zu sich zu nehmen.

Wir hoffen, dass wir Willis kleine Seele wieder aufrichten können und er so viel Selbsbewusstsein bekommt, dass er wieder ein unbeschwertes und leichtes Katzenleben führen kann. Wer Willi dabei unterstützen möchte und ihm ein Zuhause schenken möchte, meldet sich sehr gern bei uns. Wir werden dieses Mal sehr genau hinschauen, in welches Zuhause wir den liebenswerten Kater vermitteln.

Wir hoffen, dass wir für unseren kleinen Schmusekater ein passendes Zuhause finden, in dem er sich endlich wieder entpannen kann.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen