„Zucker“süßer Popeye – Diabetes mellitus bei der Katze

In diesem Bericht geht es (mal wieder) um unseren Sorgenkater Popeye. Diesen ganz besonderen kleinen Kerl mussten wir ja leider schon oft mit unterschiedlichen Symptomen dem Tierarzt vorstellen. Angefangen bei der Kastration vor vielen Jahren. Zu dem Zeitpunkt war sein wirklich schlimmes Gebiss schon gesehen worden. Auch seine Infektion mit dem Felinen Immundefizienz-Virus (FIV) ist seitdem bekannt. FIV ist dem menschlichen HIV gleichzusetzen. Der Verlauf der Krankheit ist ähnlich. Allerdings ist die Lebenserwartung einer Katze mit FIV nahezu gleich einer „gesunden“ Katze. Viele Tiere werden gar nicht getestet, weil es einfach keinen Hinweis auf eine Erkrankung gibt. Die Dunkelziffer ist unter den Freigängern hoch. Auch unser Popeye kam ja mit der Infektion jahrelang gut zurecht. Als wir endlich ein „Zuhause“ für ihn gefunden hatten, wurde er noch einmal gründlich durchgecheckt und bei der Gelegenheit wurde dann auch sein Gebiss auf Vordermann gebracht. Er hatte sehr viele Zähne, oder was davon übrig war, eingebüßt. Diesen doch recht großen Eingriff konnten wir nun vornehmen lassen, weil er ja in Obhut war und eine Nachversorgung der Wunden und ein Schmerzmanagement gewährleistet war. Er erholte sich gut und blieb eine Weile in dem ihm zugedachten neuen Heim. Dieses lag allerdings direkt neben seinem Geburtshof und dem alten Revier und sobald er das erkannte, war er wieder auf Achse … wir sahen ihn ca. 1,5 Jahre nur von weitem. Dann fiel er auf mit einer Beule unter dem Bauch. Ein Nabelbruch. Wir sammelten ihn wieder ein und ließen ihn operieren. Danach habe ich ihn meiner Verwandschaft aufs Auge gedrückt. Zunächst als Pflegekater übernahm meine junge Nichte ihn. Ganz schnell wuchs die Liebe zwischen Nichte und Kater. Popeye ist wirklich schwer verliebt in seine „Mutti“ und er wird von ihr nach Strich und Faden verwöhnt. Nachts schläft er gern auch mit auf dem Kopfkissen. Ganz nah bei ihr. Zuckersüss!!!! Und nun kommt es: Den Zucker bei seiner „Süßigkeit“ hat Popeye leider allzu wörtlich genommen. Da er aufgrund einer chronischen Bronchitis Cortison verschrieben bekommen hatte (was ihm auch gut half), hat er einen Diabetes mellitus entwickelt. Das kann tatsächlich durch die Gabe von Cortison so passieren.

Unser kleiner Streuner kämpft mit so vielen Baustellen. Dieses ist seine größte und wir hoffen, dass wir sie gemeinsam mit ihm abschließen können. Er wird das schaffen!

Zunächst freute sich meine Nichte, dass ihre „Diät“ scheinbar fruchtete und Popeye etwas von seinem Übergewicht abgenommen hatte. Doch das wurde irgendwann deutlich zu viel und viel zu schnell. Dann kam noch Durchfall dazu, was er zuvor nie gehabt hatte. Der Besuch beim Tierarzt brachte die Diagnose: Popeye ist zuckerkrank. Ausgelöst durch Cortison.

Erst waren wir alle erleichtert, dass es „nur“ Diabetes war und nicht etwa ein Tumor oder ähnlich schreckliches. Unsere Ernüchterung kam schnell. Katzen mit Diabetes sind ausschließlich mit Insulin zu behandeln. Das heisst, Popeye musste gespritzt werden. Und damit nicht genug … vor der Spritze muss auch noch der Blutzucker kontrolliert werden und auch die Ketonwerte spielen bei einem Diabetes eine große Rolle. Also Blut abnehmen. Zwei mal täglich! Und zwei mal täglich spritzen!

Im Eilverfahren studierten wir das Thema Katzendiabetes. Wir waren völlig überfordert und sehr sehr unsicher. Popeye schwebte bei jeder Handlung die wir von nun an und um ihn vornahmen potentiell in Lebensgefahr … eine mega Verantwortung!!!!! Wir waren ständig in Sorge.

Unsere Tierarztpraxis nannte uns eine Internetseite, erstellt von einer Tierärztin, die sich auf Katzendiabetes spezialisiert hatte. Dort stand viel, sehr viel Information, aber am Ende brauchten wir das persönliche Gespräch mit dieser Fachfrau und die Gewissheit, dass wir jemanden an der Seite hatten, den wir Tag und Nacht im Notfall erreichen konnten, der unsere gemessenen Werte verstand und darauf zu reagieren wusste, der uns einfach ein Stück Verantwortung abnahm. Ohne Frau Menz hätte Popeye die erste Woche mit Insulin nur sehr vielleicht überlebt.

Inzwischen ist meine Nichte total routiniert geworden. Und Kater Popeye ist, wie jedes mal, ein vorbildlicher Patient. Anfangs hatte er, wie wir, große Angst vor der Stechhilfe, die in sein Ohr piekste um einen Tropfen Blut zu gewinnen. Die eigentliche Insulinspritze in die Flanke war tatsächlich von Anfang an das kleinere Übel. Die ersten Tage erhielten Patient und Halterin große Unterstützung durch unsere „Pflegestellenmutti“. Die ist vom Fach und konnte hier so gut helfen und instruieren, dass meine Nichte nach ein paar Tagen sagte, sie wolle es alleine versuchen. Und es klappte!!!! Man muss ihr ein wirklich sehr sehr großes Lob aussprechen, denn es gilt bei einer Diabetesbehandlung nicht nur darum, in die Katze zu stechen oder Blut abzunehmen. Der komplette Tagesablauf mit einer Diabeteskatze richtet sich ab dem Zeitpunkt der Diagnose nach dem Tier. Es muss regelmäßig immer zur gleichen Uhrzeit gespritzt werden. Die Katze muss zuverlässig fressen und man muss auch verstehen, was zu tun ist, wenn der Zuckerwert zu hoch oder zu niedrig ist. Es erfordert sehr viel Disziplin und man muss auf einiges verzichten. Jeden Morgen, auch am Wochende, heisst es um 6 Uhr Aufstehen, Kater bekuscheln, Blutzucker messen, Katze füttern und dann Insulin spritzen. Wenn man dann berufstätig ist, oder wie meine Nichte zusätzlich zur Arbeit noch ein Studium absolvieren muss, gilt es, seinen Tag extrem gut zu planen. Alle Leichtigkeit, Spontanäität muss hinten anstehen. Zum Glück wird Popeye so sehr geliebt, dass man bereit ist, sich so liebevoll und aufopfernd um ihn zu kümmern.

EIN RIESEN DANKESCHÖN AN POPEYES „MAMA“ und AN UNSERE PFLEGESTELLE für die großartige Unterstützung und allzeite Bereitschaft einzuspingen.

Hier nun schlaue Dinge über das Thema Katzendiabetes zu veröffentlichen, macht gar keinen Sinn, denn immer noch sind wir auf die Unterstützung einer Fachkraft angewiesen. Darum empfehlen wir hier allen Tierhaltern, die die Diagnose DIABETES bekommen haben, sich hier
http://www.katzendiabetes.info/
gündlich einzulesen und notfalls auch den Kontakt zu Frau Menz zu suchen. Katzendiabetes kommt nicht häufig genug vor, als dass der „normale“ Haustierarzt zu allem und immer zuverlässige Aussagen treffen könnte. Die meisten Tierärzte haben keine ausreichende Erfahrung. Gut, wenn sie dann so fair sind, dieses mitzuteilen und auf eine Fachkraft verweisen.
Vielen Dank an unsere Tierarztpraxis an dieser Stelle für die Größe, Ratschläge von aussen anzunehmen und diese tolle Zusammenarbeit zu ermöglichen! Das funktoniert nicht mit jeder Praxis…

Nun wieder zu unserem Katerchen: Anfangs schien alles in die richtige Richtung zu gehen. Er brauchte nur sehr wenig Insulin und die Werte gingen kontinuirlich nach unten. Wir fanden ein Futter, welches er mochte und welches den Ansprüchen einer diabetischen Katze entpricht … es wurde ruhiger, wir alle entspannter und hoffnungsvoller, dass er den Diabetes vielleicht doch wieder los werden würde. Das Cortison wurde langsam ausgeschlichen und glücklicherweise ging es ihm trotzdem gut.

Und dann fingen die Werte mit einmal an wieder zu steigen. Immer mehr Insulin wurde benötigt, um seine Zuckerwerte wieder runter zu bringen. Dann wieder Durchfall. Er trank unglaubliche Mengen Wasser, die in unglaublichen Mengen hinten wieder raus kamen. Irgend etwas stimmte nicht. Also wieder zum Tierarzt. Inzwischen kann Popeye ohne Sedierung dem Tierarzt vorgestellt werden. Er hat sich sogar Blut abnehmen lassen. Vielleicht merkt er, dass alle ihm helfen wollen und ist deshalb so unfassbar kooperativ. Wir, Frau Menz, hatten eine Bauchspeicheldrüsenentzündung im Verdacht. Das hat sich (zum Glück) nicht bestätigt. Seine Blutwerte sind gar nicht schlecht. Aber ergeben auch keinen Hinweis auf etwas, was man nun behandeln könnte.

ABER: Seine Zähne, die paar, die übrig geblieben waren, machen wieder Probleme. Er hat eine ziemlich starke Zahnfleischentzündung. Leider nicht selten sowohl bei FIV Katzen als auch bei Diabetikern. Diese Entzündung kann nun dafür verantwortlich sein, dass seine Blutzuckerwerte immer höher steigen und wir sie nicht in den Griff bekommen. Es bleibt nur eine Möglichkeit: Die letzten Zähne müssen Popeye auch verlassen. Das geht natürlich nur in Narkose. Und eine Narkose bei einer diabetischen Katze ist, wie kann es anders sein, auch nicht ohne Gefahren und Risiken. So kann man eine diabetische Katze ja nicht hungern lassen, nüchtern lassen … ein Erbrechen während der Narkose ist also wahrscheinlich, aber absolut nicht wünschenswert. Auch ist absolut nicht jedes Narkosemittel anwendbar. Es gilt viel zu beachten und zu managen. Auch hier konnten wir wieder auf das Fachwissen von Frau Menz zurück greifen.

Und das ist nun der Status Quo: der Termin für die Zahn-OP steht. Bis dahin muss er irgendwie durchhalten. Mit viel Liebe gekochtes Hühnchen hilft ihm hoffentlich über die Zeit. Wir müssen und können nur hoffen, dass er den Eingriff, die Narkose gut übersteht und wir danach endlich Blutzuckerwerte zustande bringen mit denen er leben kann.

Ich werde hier weiter über Popeye berichten …
Eines möchten wir hier aber schon mal festhalten: Es ist eine unglaublich große Aufgabe ein diabetisches Tier zu versorgen, aber es ist tatsächlich machbar! Jedem, der am Anfang steht und denkt er schafft das nicht, sei hier gesagt: unterschätzt euch und vor allen Dingen eure Tiere nicht. Meine Nichte muss Popeye nach dieser doch recht kurzen Zeit nicht einmal mehr festhalten bei der Behandlung. Er weiß genau, was passieren soll und macht inzwischen wirklich freiwillig mit. Unsere Tiere verstehen mehr als wir manchmal glauben und es lohnt sich, um sie und ihre Gesundheit zu kämpfen. Wenn man das schafft, kann man man zu Recht sehr stolz auf sich sein!!!