Wenn etwas vorfällt, sollte man handeln ….

… in diesem Fall ist es Gewebe, was vorgefallen ist. Zum Glück bisher nur Fettgewebe und keine Blutgefäße oder Darmschlingen.

Wir berichten hier über eine Hernie, einen Nabelbruch, bei Katzen. Gar nicht so selten kommt diese Bindegewebsschwäche bei ausgewachsenen Katzen vor. Grund kann eine Verletzung sein oder eben eine angeborene Schwäche des Bindegewebes. Dort, wo die Nabelschnur das Kätzchen mit seiner Mama verbunden hat, findet man ein kleines Loch in der Bauchwand, welches sich von selbst verschließt. Manchmal wächst es aber nicht richtig zu und muss schon im Welpenalter operativ versorgt werden. Oder das Loch verschließt sich, reißt aber bei einem Sprung o.ä. wieder auf. Das kann auch Jahre nach der Geburt der Katze passieren.

Mit Hook mussten wir nun schon den dritten Kater wegen eines Nabelbruchs operieren lassen …

Aufgefallen war uns die kleine Beule unter seinem Bauch schon im letzten Jahr. Hook lebt mit seiner Schwester und anderen Besuchskatern an einer Futterstelle von uns. Zum Glück ist er so zutraulich, dass man ihn, so er denn vor Ort ist, wenn wir Essen bringen, auch mal anfassen und untersuchen kann. Ein kleiner weicher Sack war deutlich zu fühlen im hinteren Bereich seines kuscheligen Bauchs. Sehen konnte man noch nichts. Die Beule verschwand auch nicht wieder, also packten wir ihn kurzerhand ein und brachten ihn zum Tierarzt. Zu dem Zeitpunkt war es aber wohl nicht möglich, diese Beule als Nabelbruch zu erkennen und darum sollte der Kater noch einmal wieder kommen. Nüchtern und pünktlich zu einer Untersuchung, ggf. OP in Narkose. Scheinbar hatte Hook das Gespräch gut verfolgt, denn ab diesem Zeitpunkt ließ er sich nicht mehr blicken. Höchstens mal spät am Tag … dann konnte er sicher sein, dass er nicht mehr eingefangen wurde. Der Sommer kam und es wurde noch schwieriger den Kater zu erwischen. Er war viel unterwegs und selten zu sehen. Keine Chance, ihn zum Tierarzt zu bringen. Als es kälter wurde kamen die beiden Katzen zwar wieder etwas näher an ihr Zuhause und blieben auch. Jedoch waren sie zwischenzeitlich so „verwildert“, dass es eine ganze Weile brauchte, bis Hook sich wieder von uns hat bekuscheln lassen. Die Beule war noch immer da und sie war auch größer geworden. Es war inzwischen kalt draußen und bei den Temperaturen wollten wir Hook nicht mit einem kahl rasierten Bauch herumlaufen lassen.

Unser lieber Kater hat alles mit Bravour gemeistert. Wir lieben ihnsehr und wir sind sehr glücklich, dass er wieder gesund ist.

Wir sahen Hook manchmal, aber längst nicht jedes Mal, wenn wir Futter brachten … Sie haben immer ausreichend zu essen und zur freien Verfügung dort stehen. Darum war es schon sehr merkwürdig, dass er trotz des guten Futterangebots nicht an Gewicht zunahm. Er bekam eine Wurmkur. Auch das brachte nichts. Wir hatten das Gefühl, dass er immer dünner wurde. Jetzt war es uns egal. Der Kater hatte eine Beule unter dem Bauch und verlor augenscheinlich Gewicht. Etwas panisch versuchten wir den Kater einzufangen. Wir dachten, wenn wir ihn mit der Falle fangen, ist es für alle nicht so stressig. Hook zeigte uns den Vogel. Er wusste genau, dass wir etwas planten. Als wir kamen, standen beide Katze dann laut weinend vor Hunger (das Futter war in der Falle) um uns herum. Kurzentschlossen schnappten wir uns den süßen Kater, trugen ihn quer über das Grundstück und steckten ihn in eine Transportbox. Am Ende überhaupt kein Problem. Nun musste Hook noch zwei Tage warten bis wir ihn endlich dem Tierarzt vorstellen konnten. Wir hatten unseren kleinen Freund in einen Zimmerkäfig gesteckt. Das fand er so dermaßen blöd, dass er sich nachts einfach durch das Gitter gequetscht hatte. Also wohnte Hook nun in der Wohnung. Im Badezimmer. Das fand er zumindest nicht ganz so schlimm wie den Zimmerkäfig. Wir machten uns große Sorgen um ihn und befürchteten das Schlimmste, denn von einem Nabelbruch war bisher nie die Rede gewesen.

Dann kam endlich der Tag, an dem der Tierarzt ihn anschaute. Hook war sehr lieb und ein vorbildlicher kleiner Patient. Sieben Jahre ist er alt und kennt weder in Wohnungen zu leben, Auto zu fahren, Transportboxen und regelmäßige Tierarzbesuche. Er meisterte alles mit Bravour. Es war ganz schnell klar, die Beule unter seinem Bauch war ein Nabelbruch. Wir waren soooooo erleichtert, diese Diagnose zu bekommen!!!! Kein bösartiger Tumor!

Wir bekamen einen OP-Termin für die kommende Woche. Hook blieb bei uns und musste sich nun in seinem kleinen Badezimmer vergnügen. Er machte das super. Wir haben viel mit ihm geschmust und ihn ordentlich verwöhnt. Am OP Tag verlief alles ruhig und wir konnten ihn am späten Nachmittag wieder abholen. Mit einem Halskragen auf dem Kopf! Hook hatte bis dahin wirklich alles super gut gemeistert, aber das war nun zu viel für ihn. Er kam mit diesem Ding überhaupt nicht zurecht. Irgendwann in der frühen Nacht fand ich ihn dann dreibeinig laufend vor. Er hatte ein Vorderbein mit in den Kragen gesteckt. Er kam gar nicht zur Ruhe, so dass wir dann die Nacht bei ihm im Badezimmer verbracht haben. Auf keinen Fall wollte er alleine bleiben. Man muss hier wissen, dass Hook und seine Schwester Tinkerbell ein sehr enges Verhältnis haben. Bis heute kuscheln die beiden zusammen, gehen gemeinsam das Revier erkunden, auf die Jagd, treffen sich zum Essen, putzen sich und schlafen gemeisam in ihren Bettchen. Man merkt es Hook sehr an, dass er alleine nicht gut sein kann. Er braucht den Körperkontakt. Da seine Schwester nicht zur Verfügung stand, nahm er eben mich als Schmusekissen. Sobald ich mich neben ihn legte war er ruhig und zufrieden.

Nun sollte der Kragen aber ja 10 Tage getragen werden. Eine Utopie! Und die Aussicht darauf die kommenden 10 Tage auf den Fliesen im Bad zu nächtigen … Wir versuchten es mit einem Body. Das sah witzig aus und es schien zunächst auch so, als würde das besser klappen … bis zu dem Zeipunkt, an dem er sich mit den Hinterbeinen in dem Teil verhedderte und gar nicht mehr vorwärts kam. Das war also auch keine Option. Ein anderer Halskragen wurde probiert. Ein wirklich tolles Teil. Viel besser als die Platikkragen. Aus Schaumstoff und gerade abstehend, so dass das Sichtfeld nicht so eingeschrtänkt ist. Zunächst schien er damit einverstanden zu sein … bis er sich auch aus diesem Teil irgendwie befreien wollte und wieder mit der Pfote im Kragen steckte … Hook oder vielleicht besser Houdini … ein echter Befreiungskünstler.

Endlich hatte er seinen Platz gefunden. Auf dem Esszimmerstuhl konnte er sich entspannen und der Wunde die Zeit zum Heilen geben.

Wir gaben auf und nach vier Tagen mussten wir ihm einfach vertrauen. Eigentlich ging das auch ganz gut. Er leckte nicht ständig an seiner Wunde herum. Aber ein bisschen daran manipuliert hatte er wohl doch, denn die Narbe war leicht gereizt. Um ihn ein bisschen abzulenken, bekam Hook Freigang in der Wohnung. Das war gar nicht so einfach, denn immerhin leben da auch noch zwei andere Katzen. Logistisch eine kleine Herausforderung … aber als Hook aus dem Bad heraus konnte und im Esszimmer seinen Liebelingsstuhl gefunden hatte, wurde es besser. Er war sehr zufrieden und schlief sehr entspannt.

Der Kontrolltermin beim Tierarzt verlief gut. Alles war ganz gut verheilt und die Entlassung in die Freiheit stand kurz bevor. Ein bisschen Sorge hatten wir schon, denn die Temperaturen lagen immer noch im einstelligen Bereich und Hook hatte immerhin einen nackten Bauch und auch viel Unterwolle gelassen in der warmen Wohnung. So gern hätten wir ihn gleich weiter vermittelt in ein schönes Zuhause, wo er alle Räume zur Verfügung hätte und jederzeit zum Kuscheln hätte kommen können. Aber ohne seine Schwester wollten wir ihn nicht vermitteln. Tinkerbell ist keine solche Schmusekatze wie Hook. Sie ist vorsichtig und bräuchte vermutlich Zeit und Geduld und vielleicht fände sie ein Leben in einer dicht besiedelten Umgebung gar nicht so toll. Also blieb uns zunächst nichts anderes übrig, als Hook nach nunmehr 14 Tagen Aufenhalt wieder in die Freiheit zu entlassen.

Wer nun denkt, dass er beleidigt weggelaufen wäre … NEIN. Im Gegenteil. Wir sind zusammen sein Revier abgelaufen und haben nach seiner Schwester Ausschau gehalten. Er hat sich streicheln lassen und nahm es uns definitiv nicht übel, dass wie ihn zwei Wochen interniert hatten. Er ist eben ein absoltuer Traumkater und wir lieben ihn sehr! Die nächsten Tage sahen wir täglich nach ihm. Es ging ihm gut.

Nach 14 Tagen wieder in seinem Zuhause. Es gab viel zu kontrollieren und zu prüfen, was sich während seiner Abwesenheit so zugetragen hatte.

Auch wenn das Gewebe, was da aus seinem Bauch guckte, hier zum Glück bisher nur Fettgewebe war, hat es ihn ganz offenbar doch gestört. Er hat in den Tagen nach der OP deutlich besser gefressen als vorher. Wir sind sehr froh, dass dieses Thema nun endlich vom Tisch ist und alles gut verlaufen ist. Mit einem Nabelbruch sollte man nicht sorglos umgehen. Wenn sich Darmschlingen oder Blutgefäße in dem Loch verklemmen und dann also Kot nicht passieren kann oder die Blutzufuhr abgeschnitten wird, kann das Ganze auch schnell lebensbedrohlich werden. Wenn man dann auch noch ein Tier hat, dass man nicht jederzeit kontrollieren kann weil es zu scheu ist oder, wie unser süßer Freund, den ganzen Sommer auf Achse ist … kann es schnell heikel werden.

Es ist zum Glück alles gut ausgegangen und wir freuen uns nun alle gemeinsam auf den Sommer.

Wer Hook und seiner Schwester ein Zuhause schenken möchte, kann sich gern bei uns melden. Mit dem schönen Kater hätte man einen absoluten Traumkater und mit etwas Zeit und Geduld würde sicher auch Tinkerbell die Vorzüge menschlicher Obhut zu schätzen wissen. Die beiden sind 7 Jahre alt und die Zipperlein fangen allmählich an. Die beiden können dort, wo sie momentan leben, zwar ein tolles Katzenleben führen … eine gute Kontrolle ihres Gesundheitszustands können wir so aber natürlich nicht gewährleisten. Es ist immer besser, wenn die Tiere ein richtiges Zuhause haben, wo man nach ihnen sieht, wo es auffällt, wenn sie krank sind und wo sie gut versorgt und geliebt werden.

Endlich wieder vereint. Ein Katzengeschwisterpaar, das man nicht trennen darf. Hook und Tinkerbell suchen gemeinsam nach einem für beide passendes Zuhause.