Was mache ich mit einem Fundtier

Was tun, wenn ein Tier aufgefunden wird? Wer ist zuständig? Entstehen Kosten für den Finder? Darüber herrscht oft große Unsicherheit, stellen wir bei unserer Arbeit immer wieder fest und haben deshalb Informationen und Ansprechpartner vor Ort zusammengefasst.

Es sind Situationen, von denen jeder schon gehört hat oder die er selbst schon erlebt hat: Man macht einen Spaziergang durch die Feldmark, plötzlich fiept und miaut es aus dem Gebüsch. Eine Katzenmutter mit Welpen fernab jeglicher menschlicher Bebauung. Oder im Garten läuft ein halbverhungertes Tier seit Tagen oder Wochen umher und findet augenscheinlich den Weg nach Hause nicht mehr. Oder ein fremder Hund läuft beim Gassigehen hinterher und sucht Anschluss … in solchen oder ähnlichen Fällen hat man ein Fundtier entdeckt.

Viele Menschen wissen dann nicht genau, an wen sie sich wenden können. Oft findet man die Tiere an Wochenenden oder in den Abendstunden, wenn zum Beispiel Tierheime schon geschlossen sind. Und das Tierheim ist dann meist der einzige Ansprechpartner, der dem Finder in dem Moment einfällt. Erreicht man dort niemanden, geben viele Menschen den Versuch zu helfen schnell wieder auf.

Laut Gesetz unterliegen Fundtiere dem Fundrecht (BGB§965-984) und werden wie Fundsachen behandelt. Der Finder ist verpflichtet, die „Sache“ zu melden und hat die Pflicht und das Recht, sie bei der zuständigen Behörde abzugeben. Aber wo?

Fundbehörde ist zuständig

Zuständig ist das jeweilige Fundbüro der Gemeinde oder der Stadt. In ländlichen Regionen übernimmt meistens das Ordnungsamt diese Aufgabe. Die zuständige Behörde ist zur Aufnahme und Betreuung des Fundtieres verpflichtet. Die Behörde kann diese Aufgabe Dritten z.B. Tierschutzvereinen oder Tierheimen übertragen. Die Behörde entscheidet also, wie im Einzelfall mit der „Fundsache“ zu verfahren ist und sorgt immer dafür, dass ein Fundtier ordnungsgemäß verwahrt wird. Aus diesem Grund ist die Fundbehörde/Gemeinde der erste Ansprechpartner, wenn man ein Tier gefunden hat.

Die Gemeinde oder Stadt hat meistens mit einem oder mehreren Tierschutzvereinen vertraglich die Verwahrung der Fundtiere geregelt. Der vertragspartnerliche Verein bekommt dafür Geld. Den Auftrag dafür erteilt die Fundbehörde.

Polizei informieren

Außerhalb der Öffnungszeiten, nachts, an Wochenenden usw. sowieso, aber auch zu jeder anderen Tages- oder Nachtzeit ist die Polizei ein Ansprechpartner, wenn ein Tier gefunden wird und eine Gefahrenlage herrscht. Also das Tier in Gefahr ist (z.B. verletzt) oder eine Gefahr für andere darstellt. Die jeweilige Dienststelle (im Kreis Nienburg die Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg in Nienburg unter der Telefon 05021 9778-0) ist 24 Stunden erreichbar. Die Polizei wird das Tier dann in einem Tierheim unterbringen, das sich bemüht, den Halter ausfindig zu machen. Viele Bürger scheuen sich, die Polizei zu informieren. Sie ist aber laut Gesetzgeber die zuständige Behörde, wenn es um die Anzeige eines Fundtieres geht und hilft sehr gern weiter.

Im Notfall

Ein verletztes Tier muss selbstverständlich zum nächsten Tierarzt gebracht werden. Der Tierarzt wird die notwendige Erstversorgung vornehmen. Bei Transportschwierigkeiten (kein geeignetes Fahrzeug o.ä.) oder Unsicherheiten im Umgang mit dem Tier ruft man lieber die Polizei. Denn tatsächlich ist Vorsicht geboten. Ein verletztes oder leidendes Tier könnte aufgrund der Schmerzen beißen. In solchen Fällen lässt man lieber die „Profis“ ans Tier. Melden muss man den Fund trotzdem. Bei z.B. wirklich hilflosen Welpen empfiehlt der Tierschutzverein Glückskatzen, diese zunächst direkt zum Tierarzt oder in eine Tierklinik zu bringen, obwohl dafür die letzte Rechtssicherheit fehlt. Im Zweifel bei der Gemeinde oder der Polizei erfragen, wie man vorgehen soll.

Ganz wichtig zu wissen

Die Reihenfolge des Handelns ist entscheidend: Voraussetzung für die Kostenübernahme ist die Anzeige des Fundes durch den Finder bei der Behörde unter Benennung der Tierart, des Fundortes und der Uhrzeit (nachzulesen: www.tknds.de/cms_tknds/index.php?page=152).

Sobald das Tier als Fundtier entweder bei der Gemeinde oder der Polizei gemeldet und anerkannt wurde entstehen dem Finder keine Kosten. Weder im Tierheim, bei der Polizei und auch nicht beim Tierarzt übernimmt man dann irgendwelche Verpflichtungen.

Die Befürchtungen vieler Menschen, dass sie auf den entstandenen Kosten sitzenbleiben oder aus eigener Tasche den Tierarzt zahlen müssen, verhindert leider sehr oft die dringende und schnelle Hilfe.

Also: Bitte ganz unbedingt jedes Tier abgeben oder zumindest melden und jedes Tier, welches augenscheinlich tierärztliche Hilfe benötigt, sofort in eine Praxis oder Klinik verbringen oder durch die Polizei bringen lassen.

Bei wilden Tieren

Auch bei kranken oder verletzten Wildtieren ist Wegschauen keine Option.
Ansprechpartner ist laut Tierärztekammer Niedersachsen grundsätzlich der für den Jagdbezirk zuständige Jagdausübungsberechtigte. Dieser kann entscheiden, ob das Tier zur Vermeidung von Schmerzen oder Leiden zu erlegen ist oder gepflegt werden kann. Die Pflege kann er selbst durchführen bzw. Sachkundigen (z.B. Wildtierstationen) übertragen. Ist der Jagdausübungsberechtigte nicht bekannt, muss die zuständige Polizeidienststelle informiert werden. Kleinere Wildtiere wie Igel, Vögel, Eichhörnchen usw. können direkt in Wild- und Artenschutzstationen abgegeben werden. Nach der Genesung werden sie wieder ausgewildert. Wenn sie privat versorgt werden, müssen sie nach der Ausheilung wieder in die Natur entlassen werden.

Bei Verstößen gegen das Tierschutzgesetz

Wenn Tiere gequält oder vernachlässigt werden, kann sich jeder Bürger, der so etwas feststellt, an das zuständige Veterinäramt wenden.
Für Amtstierärzte besteht die Möglichkeit eine Haltung zu kontrollieren erst, wenn eine Meldung bei der Behörde eingegangen ist. Es ist darum unbedingt erforderlich, das Veterinäramt über einen Missstand oder Verstoß zu informieren – am besten schriftlich.
Es sollte angegeben werden, um welches Tier es sich handelt, wogegen vermutlich verstoßen wird, wo sich die Haltung befindet (konkrete Anschrift, Straße etc.), Name und Anschrift des Halters. Je genauer die Angaben, desto schneller kann ein Vorgang bearbeitet werden. Man nimmt dem Amt zeitraubende Recherchearbeit ab, und die Amtstierärzte können sich um das Wesentliche kümmern. Vorteilhaft sind die Kontaktdaten des Meldenden für Rückfragen. Man kann aber auch völlig anonym bleiben. Alle Angaben werden vertraulich behandelt, und das Veterinäramt wird jedem Hinweis nachgehen und Maßnahmen ergreifen, damit es dem Tier in Zukunft besser geht. In den meisten Fällen bekommt der Halter Auflagen, die er in einem bestimmten Zeitrahmen zu erfüllen hat.

Seit 2014 gibt es beim Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) eine anonyme Meldestelle. Diese ermöglicht es den Bürgern, sich mit „Informationen zu Unregelmäßigkeiten, Verstößen oder Missständen in den Bereichen Verbraucherschutz, Tiergesundheit und Tierschutz“ an das Amt zu wenden. Informationen dazu gibt es auf der Internetseite www.laves.niedersachsen.de/service/anonyme-meldestelle-127843.html

 

In eigener Sache

Der Verein „Glückskatzen“ in Rodewald hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich um Streunerkatzen zu kümmern. Als sehr kleiner Verein kann sich die Arbeit zunächst nur auf die Gemeinde Rodewald beschränken. Sollte in Rodewald eine streunende Katze gefunden werden, gerne unter Tel. 01525 1592772 an den Verein wenden, Email: post@glueckskatzen-rodewald.de

Wer in den anderen Gemeinden eine streunende Katze (in den meisten Fällen nicht anfassbar) entdeckt, sollte den Fund bitte unbedingt bei der zuständigen Behörde melden. Wir bitten parallel um die Fundmeldung an uns mit Datum, Ort und nach Möglichkeit Beschreibung des Tieres. „Wir werden diese Daten sammeln. Denn nur durch die konsequente Anzeige aller Streunerkatzen können belegbare Zahlen ermittelt werden, die dann hoffentlich alle Gemeinden des Landkreises Nienburg dazu veranlassen, sich dieses Problems endlich anzunehmen und eine allgemeine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen zu erlassen“, so der Verein abschließend.