Wanderzeit – Mehr Frust als Lust

Es ist Sommer. Und es wird gewandert was das Zeug hält. Leider muss man sagen, dass die Wanderer, in diesem Fall Lebewesen der Gattung Felis silvestris catus, also Hauskatzen, nicht aus lauter Lust in die Ferne ziehen, sondern weil sie keine andere Option haben.

Unkastrierte Kater sind getrieben von ihren Hormonen und müssen oft lange Wege zurücklegen um das richtige Weibchen zu treffen.  Wege voller Kämpfe, Krankeiten und Hunger. Durch blutige Beissereien verteilen sich Viren und Bakterien unter den Katern.  Viele von ihnen finden nicht wieder nach „Hause“ zurück und vegetieren dann irgendwo vor sich hin.

Die weiblichen Tiere müssen sich aufgrund von Futtermangel aus der Population lösen um den Nachwuchs durchbringen zu können.
Die Mütter sind ausgemergelt, unterernährt, krank. Vielfach durch den Kater oder den Nackenbiss beim Deckakt infiziert mit  schlimmen Erkrankungen wie Katzenaids, Leukämien, Bauchfellentzündung (FIV, FelV, FIP). Die tödlichen Viren werden von der Mutter auf die Welpen übertragen. Diese sind immungeschwächt und Krankheiten wie Katzenschnupfen hilflos ausgeliefert. Viele sterben an dieser eigentlich gut behandelbaren Erkrankung.  Katzenkinder, die es überleben, leiden ihr ganzes Leben unter der Chronifizierung, wenn es nicht rechtzeitig behandelt wird.

„So ist eben die Natur“ sagen einige. Das stimmt. Die „Natur“ sorgt dafür, dass sich eine Art erhält. Bei Wildtieren bestimmt den Drang zur Arterhaltung das Umfeld und die Umstände. Heisst, sind Witterung, Futterangebot usw. schlecht, bekommt ein Wildtier keinen oder wenig Nachwuchs. Der Hauskatze ist diese „Fähigkeit“ durch die Domestizierung durch den Menschen verloren gegangen. Sie bekommt Nachwuchs unter den widrigsten Umständen.

Durch unser Handeln in den vergangenen hunderten von Jahren ist die Katze von einem Wildtier zum Haustier geworden. Dafür trägt der Mensch die Verantwortung. Und aus dem Grund liegt es heute in unserer Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sich die Hauskatze entweder nicht vermehrt oder sich unter Umständen vermehren kann, in denen die gesunde Aufzucht der Nachkommen möglich ist – in der Obhut des Menschen.

Stellvertretend für viele einzelne Tiere, die keinem Halter zuzuordnen sind und auf der Suche nach Futter und Unterschlupf ein Leben auf Wanderschaft führen müssen.  Ella, Flora, Jasper.