Toxoplasmose – behaltet es im Hinterkopf!

Das Wort hat bestimmt nahezu jeder von euch schon mal gehört – meist im Zusammenhang mit Schwangerschaften. Toxoplasmose ist eine Infektion mit Parasiten. Anstecken kann der Mensch sich durch den Verzehr von rohem Fleisch oder nicht gut gewaschenem Gemüse aus dem Garten … Und auch durch den Kontakt zu kontaminiertem Katzenkot. Der muss dann aber auch quasi in den Mund … was man ja in der Regel so nicht macht. Die Katze ist zwar der Endwirt der Parasiten, aber bei weitem nicht die häufigste Ansteckungsquelle für den Menschen. Hier soll es auch nicht um den Menschen gehen sondern um die Katze, eigentlich um den Kater … Kater Mogli.

Er ist inzwischen fast 16 Jahre alt und ich kenne ihn schon sein ganzes Leben lang. Er war der Kater meiner Nachbarn. Diese sind nun weg gezogen und haben mir Mogli da gelassen. Mogli war sein Leben lang ein Draussenkater. Er ist zwar sehr anhänglich und am liebsten immer dabei und in der Nähe, aber so Dinge wie Autofahren, Transportboxen, regelmäßige Tierarztbesuche oder eine geschlossene Tür kennt er nicht und mag er nicht. Darum war ich wirklich heilfroh, dass eine gute Bekannte und Frau vom Fach ihre Hilfe anbot und mir Mogli in die Kiste setzte, damit wir mit Blaulicht in die Praxis fahren konnten. Das erste Mal mit Mogli beim Tierarzt … ich hatte es wirklich lange hinausgezögert. Ich hatte mir große Sorgen gemacht, dass er den Stress vielleicht nicht überleben würde, denn niemand wusste genaues über seinen Gesundheitszustand. Hätte ich gewusst, was bei unserem Besuch heraus kam, wäre ich schon im letzten Sommer gefahren – vorher „gehörte“ er ja den Nachbarn …

Sorgen wegen des Transports machte ich mir, weil er schon seit einer ganzen Weile (Jahre!) immer mal wieder merkwürdigen Husten hatte … vor allem wenn er gestresst war. Ich dachte, es könne eine Herzschwäche dahinter stecken. Mogli hatte auch seit einigen Jahren immer mal wieder ein sehr rotes Auge. Mal war es ganz schlimm und dann war es wieder okay … aber meist nach Schlimm auch noch etwas trüber als vorher. Ich hatte die Besitzer damals auf das Auge aufmerksam gemacht und sie hatten auch einen Tierarzt kommen lassen. Der diagnostizierte „wohl“ eine Hornhautverletzung. Behandelt wurde es nicht und es war auch keine Hornhautverletzung sondern eine Uveitis, die später immer wieder aufflammte.

So sieht Moglis Auge aus wenn die Uveitis wieder ausbricht. Man kann das Auge behandeln mit Cortison und Athropin. Allerdings hat man weder bei FIV noch bei Toxoplasmose gute Chancen die Erkrankung richtig in den Griff zu bekommen. Wer ein so rotes Auge bei seiner Katze feststellt, sollte umgehend einen Tierarzt aufsuchen.

Eines Morgens vor ca. vier Jahren kam er zu mir und konnte hinten links nicht mehr richtig laufen. Irgendwie blieb das Bein manchmal einfach stehen. Ich dachte damals es sei Arthrose nach einem Unfall, denn beim Treppen hinablaufen sah man es am deutlichsten. Es machte ihm Mühe das linke Bein die Treppe hinunter zu kriegen. Es wurde dann etwas besser aber weg war es nie … man sah auch zunehmend, dass das Bein, die Muskulatur dünner wurde.
Nach dem Mahlzeiten musste Mogli immer aufstoßen. Hier dachten wir an eine Magenschleimhautentzüdung oder ähnliches. Er bekam eine ganze Zeit etwas gegen Sodbrennen von mir. Auch das Futter hatte ich umgestellt. Gastrofutter … nicht sein liebstes Futter. Geholfen hat das alles aber auch nicht wirklich. Immer mal wieder war Mogli ein bisschen krank. Ich merkte es immer dann, wenn er nicht richtig fressen wollte, viel schlief und sein Fell nicht so schön war. Er hat einige Male Medizin bekommen weil ich der Meinung war, er habe eine Mandelentzündung oder so etwas. Auch die Zähne hatte ich in Verdacht … oder einen Polypen, der würde zum Husten passen und auch zum Röcheln. Alles „kleine“ Baustellen, die über die letzen Jahre aufgetreten waren, den Kater aber nie so krank gemacht haben, dass ich dachte, er müsse in jedem Fall zum Tierarzt.
Und nun vor ein paar Wochen kam wieder etwas hinzu … das rechte Hinterbein schien ein Problem zu haben. Er lahmte von einem Tag auf den anderen. Das sah ziemlich schlimm aus. Er bekam Schmerzmittel und allerlei Globuli. Er lief weiterhin auf dem Bein, aber es sah merkwürdig aus. Er rollte sich damit auch auf dem Rücken, streckte es aus und irgendwie dachte ich da schon … so richtig schmerzhaft sieht es nicht aus … Es wurde wieder etwas besser. Man sah es zwar noch, dass etwas nicht ganz richtig lief, aber es lief. Damit war ich dann wieder erst einmal zufrieden.
Wie gesagt, Tierarztbesuche kannte er nicht und ich wollte ihn auf keinen Fall in seinem Alter damit umbringen.

Dann wurde er mit einem Mal schlapp. Er taumelte regelrecht, konnte sich gar nicht halten. Sein Hinterteil kam nicht mehr richtig hoch und wenn er lief, dann wie ein Betrunkener. Er mochte nicht recht fressen und ich war der festen Überzeugung dass er hohes Fieber haben musste.

Da ich inzwischen wusste, dass Moglis Herz normal gut schlug und auch die Lunge nicht voller Wasser lief (er wurde freundlicherweise zuhause abgehorcht) musste ich das „Risiko“ eingehen und ihn nun endlich zum Tierarzt bringen. Ich war soo aufgeregt!!!! Es klappte aber alles wirklich hervorragend. Es ging alles so schnell, dass ich es gar nicht recht mitbekam. Schwupps, sass er in der Box. Los gings zum Tierarzt. Ich machte mir Sorgen dass er in der Box völlig durchdrehen würde, aber er war so schwach, dass er sich wirklich zugab. Aber eine gründliche Untersuchung ohne Narkose … no way … also legten wir Mogli schlafen. Wie gesagt, er ist 16 und wir wussten nichts über seinen Zustand. Hätte auch schief gehen können. Ist es aber nicht. Mogli wurde auf den Kopf gestellt. Zähne wirklich super für sein Alter, die Knochen, Gelenke und die Wirbelsäule auf dem Röntgenbild komplett ohne Befund … von Arthrosen keine Spur. Ein Schnelltest ergab, dass er FIV positiv ist. Das hatte ich aber nicht anders erwartet. 16 Jahre nur Draussen!!!!! Er hatte auch kein Fieber, eher Untertemperatur. Das einzig Auffällige war eine stark vergrößerte Milz. Alle anderen Organe waren in Ordnung.

Das war natürlich eine tolle und total unewartete Nachricht. Nichts von alledem, was wir vermutet hatten, bewahrheitete sich. Mogli war eigentlich tiptop in Schuss. Auf das Blutergebnis mussten wir nun aber noch warten. Ich war völlig perplex … es war nicht Greifbares herausgekommen … warum ging es ihm so schlecht??? Er bekam eine Cortisonspritze, weil der Verdacht nahe lag, dass es ein FIV Schub sei, der ihm so zu schaffen machte. Cortison ist ja auch tatsächlich ein kleines Wundermittel und hilft bei sehr vielen Dingen zunächst sehr gut.

Nach einer Stunde konnte ich Mogli dann halbwegs wach wieder abholen. Er konnte natürlich nicht gleich wieder raus. Also machte ich ihm ein kleines Zimmer fertig, was er bis dahin nicht kannte. Er war zwar etwas irritiert, aber er hat sich tatsächlich dann für mehrere Stunden hingelegt und seinen Rausch ausgeschlafen. Und weil er später sogar Futter genommen hat und nicht absolut panisch war wegen der geschlossenen Tür, beschloss ich, dass er die Nacht über drinnen bleiben sollte. Auch wegen der Untertemperatur. Draussen war es noch sehr kalt. Ich machte es ihm ordentlich warm. Später rief mich die Tierärtzin noch einmal an und besprach mit mir das weitere Vorgehen. Ich fragte sie nach einem Toxoplasmosetest und berichtete über die Untersuchung meiner Lotta in der Tiho. (Den Bericht findet ihr weiter hinten.) Also wurde das Blut neben allen Organwerten auch auf Toxoplasmose untersucht. Mogli blieb drei Tage und drei Nächte bei mir im Haus – bis das Ergebnis kam. Ich hatte das Gefühl, dass er ganz froh war über die Ruhe und den warmen Platz. Moglis Blutwerte waren die eines sechsjährigen Katers! Alles ganz wunderbar in Ordnung. Bis auf den Toxoplasmosetiter. Der war so hoch, dass er nicht mehr weiter messbar war. Mein Bauchgefühl war richtig gewesen. Mogli schien ein Problem mit Toxoplasmose zu haben. Allerdings sagt so ein Titer nicht wirklich aus ob er akut erkrankt ist oder ob die Infektion schon vorüber ist, vielleicht sogar schon lange … Der Titer sagt nur, dass er Kontakt zu Toxoplasmen hatte und nun Antikörper entwickelt hat. Ich fing an zu lesen und als ich auf die Symtome bei einer chronischen Toxoplasmose stieß, waren all die Dinge, die ich in der Vergangenheit an Mogli festgestellt hatte zu 100 Prozent mit einer Toxoplasmoseinfektion in Verbindung zu bringen. Der Husten, die chronische Uveitis, die Lahmheiten, das Aufstoßen. Alles tauchte genau so als Symptom einer Toxoplasmoseinfektion auf. Ich war fassungslos. Wurde es doch bei meiner Katze vor einem Jahr als Grund für ihr Leiden ausgeschlossen, litt mein kleiner Nachbar genau daran.

Chronische Toxoplsmose ist (mal wieder) sehr selten und kommt eigentlich auch nur bei alten und immungeschwächten (FIV) Tieren vor. Trifft auf Mogli leider alles zu. Man müsste nun eigentlich weitergehende Untersuchungen anstellen um die Diagnose zu verifizieren. Ein MRT würde vielleicht Entzündungsherde im Gehirn zeigen oder eine Punktion im Rückenmark eine Entzündung eben dort … es ist gar nicht so einfach, die Herde zu finden. Und die „Findung“ macht auch keinen Unterschied bei der Behandlung. Es gibt nur ein einziges Antibitikum, was hier helfen kann. Und das erreicht z.B. Herde im Gehirn nur mittelgut.
Kater Mogli ging es nach dem Tierarztbesuch und der zwangsweisen Ruhepause im Haus deutlich besser. Er hatte wieder Appetit und er lief auch wirklich wieder sehr gut. 14 Tage lang … dann hatte er einen bösen Rückschlag. Ich vermute, dass das Cortison die Entzündung im zentralen Nervensystem zunächst gebessert hatte. Als ich ihn an dem Nachmittag rief, konnte er das rechte Bein fast gar nicht benutzen. Er lahmte schlimmer als jemals zuvor. Es war ihm nicht mal möglich die Pfote richtig aufzustellen wenn er lief. Er fauchte mich an und er war völlig durch den Wind. Ich glaube, er hatte Angst davor, was mit ihm passierte. Wir hatten gar keine Wahl, wir konnten nur die Therapie versuchen mit dem Antibiotikum. Da nicht klar war, ob es eine aktue Infektion, ein akuter Schub war, wollten wir ihm erst einmal kein weiteres Cortison geben.
Nun bekommt Mogli seit mehr als 14 Tagen Clindamycin. Zwei mal täglich. Zusätzlich bekommt er Pregabalin, damit er keine Schmerzen hat. Ausserdem versuchen wir mit Vitamin B Komplex seine Nerven zu unterstützen. Und er bekommt einige homäopathische Mittel, die ihm helfen sollen. Das Antibiotikum muss er mindestesn 4 Wochen einnehmen. Es ist ein starkes Mittel und die Tabletten riesig und bitter. Zum Glück ist die Einnahme mit Mogli kein Problem. Geviertelt und eingepackt in Leckerlis nimmt er alles wirklich ohne Murren ein. Das wäre so nicht mit jeder Katze möglich. Mit den wenigsten vermutlich. Sein Zustand ist etwas besser geworden. Seine Lahmheit ist noch da, aber vielleicht ein kleines bisschen weniger. Dem Kater selbst geht es aber besser. Er frisst gut und mit Appetit, sein Fell ist schön, das Auge sieht besser aus und er hat einen großen Willen wieder gesund zu werden. Wir können nur hoffen, dass es weiter bergauf geht und das Medikament zumindest soweit hilft, dass er nicht volkommen erlahmt oder auch noch inkontinent wird.

All seine Symptome würden tatsächlich auch zum Katzenaids passen. Jedoch sprechen seine Blutwerte und sein allgemeiner Zustand eher gegen den Ausbruch. Die Toxoplasmose ist eine Ausschlussdiagnose. Ich rate hier jedem Katzenhalter dringend an, bitte immer auch an Toxoplasmose zu denken, wenn die Katzen Symptome zeigen, die nicht so recht zuzuordnen sind. Eigentlich verläuft eine Toxoplasmoseinfektion bei der Katze ohne große Komplikationen. Oft wird sie gar nicht bemerkt. Aber sie kann eben auch so enden wie bei Mogli. Dann ist die Infektion hoch gefährlich und lebensbedrohlich. Rechtzeitig behandelt, geht es den meisten Tieren dann wieder gut. Mogli schleppt diese schlimme Krankheit seit Jahren mit sich und sie bricht immer wieder in Schüben aus und hinterlässt einen weiteren Schaden. Heilen können wir Mogli nicht mehr. Wir können nur hoffen, dass wir den Verlauf gestoppt bekommen und er noch eine Weile einigermaßen beschwerdefrei leben kann. Wir versuchen alles, damit wir das schaffen können.