Schwalbi

Ein in diesem Sommer leider typischer Fall. In jedem Jahr fallen junge Vogelkinder zu früh aus den Nestern – aus unterschiedlichen Gründen. In diesem Jahr war die Anzahl der Schwalben- und Mauerseglerküken jedoch besonders hoch. Vermutlich lag es zum einen an den Temperaturen – in den Nestern unter den Dächern wurde es bis zu 60 Grad warm – und zum anderen an den fehlenden Futterinsekten. Hitze und Hunger veranlassten unzählige Küken, das Nest viel zu früh zu verlassen und einfach zu springen.

Auch bei uns in der Gegend war das so. Immer wieder fanden sich tote Küken am Morgen in den Ställen und Hallen. Einmal lag ein komplettes Gelege am Boden. Einige Küken waren noch am Leben. Sie sind unverzüglich nach Sachsenhagen gebracht worden und dank der professionellen Hilfe hatten sie eine gute Chance durchzukommen.

Ziemlich am Ende der letzten Brutphase sass dann der kleine Schwalbi am Boden. Auch er war viel zu früh aus dem Nest gefallen. Seine Eltern haben ihn am Boden nicht mehr versorgt. Ans Nest kam man nicht heran, weil es ganz hoch oben in einer Halle hing. Als wir Schwalbi bekommen hatten, war er bereits einen Tag ohne Futter.

Er reagierte zwar noch aber sperren wollte er nicht. Er war zu schwach. Also, was war zu tun? Wir wollten versuchen ihn zum Fressen zu bewegen und schauen wie er sich machen würde. Er sollte dann schnellstmöglich in die Schutzstation nach Sachsenhagen.

Aber erst einmal musste er fressen. Schwalben und Mauersegler sind reine Insektenfresser. Sie fangen ihre Beute im Flug und eine Fütterung mit falschem Futter schadet den Tieren sehr. Also brauchten wir Fluginsekten … Fliegen, oder? Zumindest drei kleine Exemplare konnten wir erbeuten und sie der kleinen Schwalbe unter Zwang! in den Schnabel schieben. Von alleine öffnete sich da gar nichts, also haben wir mit sanfter Gewalt und Fingernagel einen kleinen Spalt geöffnet und die Fliege nach hinten in den Rachen platziert. Die erste Fliege war drin. Es dauerte eine Weile bis er schluckte, aber dann war die lebensnotwendige Nahrung im Vogel.

Damit das kleine Küken gleich Flüssigkeit bekam und damit die trockenen Fliegen besser rutschten, wurden diese vorher gut in Wasser getränkt. Die zweite Fliege musste ebenfalls noch unter Zwang in den kleinen Schnabel. Und dann, auf einmal fing er an zu piepsen … er rief nach Futter!!! Und als die dritte Fliege vor seinem Schnabel auftauchte, sperrte er das Schnäbelchen auf als wolle er die ganze Welt verschlucken. Hurra, er wollte leben!!!

Ein kleine Handvoll Leben. Es war eine sehr schöne Erfahrung, eine so kleine Schwalbe zum Leben zu überreden.

Nun begann für uns der Stress: Fliegen – die gibt es ja immer und überall. Die nerven einen doch ständig und niemand will sie haben … Weit gefehlt! Es gibt nicht immer Fliegen und schon gar nicht überall. Ausgerechnet an diesem Tag nieselte es so vor sich hin und alles was an Fliegen sonst so unterwegs war, sass geschützt und trocken im Versteck. Sechs Menschen waren für Schwalbi an diesem Tag unterwegs auf Beutejagd. Es war wirklich ein anstrengendes Unterfangen. Man bekam eine leise Ahnung davon, was Vogeleltern während der Aufzucht leisten müssen. Und dann sitzt da nicht nur eine kleine Schwalbe im Nestchen …

Unsere kleine Schwalbe hatte sich jedenfalls entschieden: Aufgeben kommt nicht in Frage und was rein geht in den kleinen Bauch muss rein! Und es passt wirklich viel in einen Vogelbauch. Er war wirklich unersättlich. Alle zwei Stunden kam eine neue große Ladung frisch gefangener Fluginsekten. Und Schwalbi sperrte was das Zeug hielt.

Wenn man einmal ein Vogelküken gefüttert hat, bekommt man eine leise Ahnung von der großartigen Leistung, die Vogeleltern täglich vollbringen.

Zum Glück hatten wir am nächsten Vormittag für Schwalbi einen Transport nach Sachsenhagen organisieren können. Den (kleinen) Rest Fliegen hat er mitbekommen … Wir sind guter Dinge dass er es schafft und ein langes und glückliches und immer sattes Schwalbenleben führen wird. Wir wünschen es ihm! Es war eine tolle Erfahrung, aber wir würden uns noch mehr wünschen, wenn die Umwelt es den Vogeleltern ermöglicht, ihren Nachwuchs groß zu ziehen. Jeder kann ein bisschen beitragen. Zum Beispiel mit Pflanzen im Garten, die Nahrung für Insekten bietet. Denn sie sind für viele andere Lebewesen lebensnotwendig.

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