Katzen-Intensiv-Station

Wir möchten euch hier Kater Felix vorstellen. Er kam vor einigen Wochen zu uns. Er hatte sich in einem leerstehenden Haus, in dem noch die Katze betreut wird, scheinbar „eingenistet“.

Die Hauseigentümerin meldet uns, dass ein großer Kater die eigene Katze bedrohe und im Haus für Unordnung sorge. Er würde vor die Katzentoilette koten und es lägen immer überall Fellbüschel herum und die eigene Katze würde sich nicht mehr ins Haus trauen.
Nach dieser Schilderung waren wir alle davon ausgegangen, dass es sich um einen „Streuner“ handeln müsse, der das Futter gerochen hat und sich einen warmen Platz in einem leerstehenden, daher ruhigen Haus gesucht hatte. (Was allerdings schon etwas seltsam wäre für eine nicht an Menschen gewöhnte Katze).

Die Frau bekam eine Falle und Futter und sie fing den Kater nach kurzer Zeit ein. Er wurde in der Falle zum Tierarzt gebracht. Da auch die Tierärztin davon ausgehen musste, dass der Kater nicht „zahm“ war, bekam er eine Narkose, um ihn behandeln zu können.
Was dann zum Vorschein kam, war mehr als furchtbar. Der Kater hatte einen derartigen Flohbefall, dass er sich alleine davon hätte niemals befreien können. Er wurde gebadet und anschließend trocken geföhnt und er bekam selbstverständlich etwas gegen Parasiten.
Er wachte scheinbar „normal“ aus der Narkose auf und dann sollte er eigentlich mit einer Futterstelle wieder an seinen Fundort gebracht werden.
Die Tatsache, dass er bereits kastriert war und er in der Falle auch „miaut“ hat (so sprechen Katzen nur mit Menschen) veranlasste uns dazu, ihn genauer anzuschauen. So kam er in eine Pflegestelle. Bereits dort war er sehr schwach auf den Beinen. Wir nahmen an, dass es noch das Narkosemittel war, welches ihm die „Beine wegzog“ und ließen ihn erst einmal ausschlafen.

Am nächsten Tag sahen wir nach ihm. Er lag unter einer Bank. Gefressen hatte er nur im Beisein seiner Pflegemama und nur, wenn sie ihm das Futter unter die Nase schob. Er kam sofort mit dem Kopf auf uns zu und wollte gestreichelt werden. Also – ein Kater, der Menschen kannte und scheinbar auch mochte. Alle hatten ihn völlig falsch eingeschätzt. Draußen war er vorsichtig, lief davon und auch in der Falle war er natürlich sehr aufgeregt und verängstigt. Man kann es einfach draußen nicht wirklich beurteilen, wie „zahm“ eine Katze ist. Es braucht Zeit und Geduld.

Die erste Freude darüber, dass der Kater Menschen mochte wich ganz schnell großer Sorge. Er konnte sich überhaupt nicht aufrichten. Er robbte auf dem Bauch. Und auch das nur mit großer Mühe und sichtlicher Anstrengung. Ein schlimmer Anblick. Sofort wurde die Tierärztin informiert und der Kater konnte auch gleich vorgestellt werden. Es wurde Blut abgenommen und ein Röntgenbild gemacht und anschließend bekam er eine Infusion. Er war so schwach und krank, dass gleich klar war, dass er in der Praxis zur Überwachung bleiben musste.

Das Röntgenbild zeigt eine ziemlich ausgeprägte Spondylose. Das war vermutlich der Grund, warum er sich nicht mehr ausreichend selbstständig putzen konnte und so die Flöhe über Monate hinweg leichtes Spiel hatten. Spondylose bei der Katze verläuft genauso wie beim Menschen. Die Wirbel bilden (meist begleitet mit Entzündungen ) Knochenzuwächse und am Ende ist die Wirbelsäule versteift, weil die Wibel zusammengewachsen sind. Katzen haben dann, genau wie der Mensch, große Schmerzen im Rücken. Manchmal treten Lähmungen auf, weil Bandscheiben oder Knochen auf die Nerven drücken usw. Durch das Baden waren Felix Nerven vermutlich stark gereizt und er hatte Schmerzen. Leichte Lähmungen schien er auch zu haben.

Schon mal eine schlimme Diagnose. Noch schlimmer war allerdings das Ergbenis der Blutuntersuchung. Der Kater war hochgradig anämisch. Die Flöhe hatten ihm scheinbar so viel Blut ausgesaugt, dass er nicht mehr in der Lage war, rote Blutkörperchen zu bilden. Er konnte deshalb auch die Körpertemperatur nicht halten. Er war ständig unterkühlt.

Nun begann die Intensivpflege. Der Kater bekam den Namen Felix, weil er einfach unendlich viel Glück brauchte, das alles zu überstehen. Nach zwei Tagen Vollpension in der Praxis kam er zu uns. In den Zimmerkäfig. Bewegung jeglicher Art war strengstens verboten. Jede Anstrengung kostete wertvolle Kraft. Es war ein Auf und Ab. Felix hatte guten Appetit aber sogar das Fressen war anstrengend. Jeden Tag musste er in die Praxis, denn ohne Infusion wäre der Kreislauf kollabiert. Das stresste ihn unheimlich und warf ihn immer wieder zurück. Das Schmerzmittel verursachte große Übelkeit. Er musste sich mehrfach übergeben. Dafür fehlte eigentlich die Energie und wir hatten wirklich Sorge, dass er das Ganze überhaupt überleben konnte. Wir mussten seinen Körper hoch halten, damit das Erbrochene nicht in die Lunge lief. Wäre er allein gewesen, hätte er vermutlich eine schwere Lungenentzündung bekommen. Er schaffte es einfach nicht, sich aufzurichten. Es dauerte immer rund 20 Minuten, bis sein Puls und der Kreislauf sich einigermaßen stabilisiert hatten. Das war nicht zu verantworten. Er konnte das Schmerzmittel nicht bekommen. Er vertrug es einfach nicht. Zu allem Überfluss machte sich ein Lungengeräusch bemerkbar. Doch Flüssigkeit? Oder „nur“ die Schwäche? Felix Kreislauf droht aufzugeben. Aber er wollte nicht sterben. Das sah man ihm an. Er zog sich nicht zurück. Er hob den Kopf wenn wir kamen und er wollte leben.

Mit ganz viel Pflege, Cortison und vielen Wärmflaschen wurde sein Zustand ganz ganz langsam immer ein wenig besser. Nun tat sich ein neues Problem auf. Er pinkelte zu oft. Mindestens zehn bis zwölf mal pro Tag musste er urinieren. Nach jedem Bissen schleppte er sich Richtung Klo. Oft schaffte er den kleinen Weg dort hin nicht einmal. Dann pinkelte er einfach unter sich. Meistens war ihm der Einstieg in die Toilette zu anstrengend … dann pinkelte er davor. Ständig war sein Käfig nass und die Wäsche türmte sich von Stunde zu Stunde.
Kater Felix wurde allmählich zu einem Rätsel. Zwar waren die roten Blutkörperchen sehr wenig, jedoch alle anderen Blutwerte deuteten nicht auf eine Organschädigung hin. Es wurde alles untersucht, was es zu untersuchen gab. Kein Hinweis auf eine Erkrankung. Ein Nierenwert war ein bisschen aus der Norm, aber eigentlich nicht so , als dass es diese Symptome machen würde.
Da sein Blut keinen Aufschluss auf seine Erkrankung brachte, versuchten wir eine Nierendiät. Und siehe da. Nur mit der Umstellung des Futters erreichten wir einen nahezu normalen Urinabsatz. Er scheint doch Probleme mit den Nieren zu haben.
Nun war sein Zustand soweit stabil, dass man an einen Umzug aus der Intensivpflege in sein zukünftiges Zuhause denken konnte. Er begann, wieder rote Blutkörperchen zu bilden und sein Appetit war gut und „das mit dem Pinkeln“ wurde auch immer besser.

Zu Felix und unserem Glück hat sich eine unserer Pflegestellen bereit erklärt , ihm ein dauerhaftes Zuhause zu geben. Wir hätten nicht gewusst, wohin mit dem Kater. Niemand hätte sich einen so kranken Kater nach Hause geholt. An Vermittlung war nicht zu denken. Das wollten wir auch niemandem zumuten. Felix Glück heisst Svenja. Svenja ist Tierärztin. Besser hätte es für Felix nicht laufen können. Bei Svenja hat Felix alles was er braucht. Fürsorge, Streicheleinheiten aber auch fachgerechte Versorgung all seiner „Zipperlein“. Nachdem Felix sich vom Schock des Umzugs eingermaßen erholt hatte, sieht er nun jeden Tag ein bisschen besser aus. Er läuft bereits einige Schritte. Zwar immer noch sehr mühsam, aber er läuft. Viel Ruhe und Erholungsphasen sind noch notwendig, aber die Zeiten, wo er aktiv werden will, werden mehr und immer länger.

Es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis Felix sich vollends erholt hat, aber wir sind sehr zuversichtlich. Er bekommt die Zeit die er braucht. Er sieht zufrieden und glücklich aus. Er ist ein guter Patient, denn er macht alles vorbildlich mit. Hätten wir Felix nicht aufgegriffen und hätten wir nicht doch noch einmal genauer hingeschaut, wäre er jetzt tot.
Er hatte sich nicht „eingenistet“ und er wollte sicher auch niemanden vertreiben. Er hat Schutz gesucht, weil er viel zu schwach war, draußen herumzulaufen. Vielleicht ein Zufall – dass er dort gelandet ist, die Finderin sich kümmern wollte, bei uns anrief, wir noch einmal genau geschaut haben – ein Zufall, der Felix definitiv das Leben gerettet hat. Leider hat sich kein Halter gefunden, der nach Felix suchen würde. Wir wissen nicht, warum er dort aufgetaucht ist, wie er dort hin kam und auch nicht warum. Er muss einmal ein schönes Zuhase gehabt haben … warum er es nicht behalten durfte … wir werden es wohl nie erfahren.

Wir sind glücklich, dass Felix lebt und sich erholt. Er wird wohl unser kleiner „Dauerpatient“ bleiben. Wer für Felix eine Patenschaft übernehmen möchte oder einfach bei der Finanzierung seiner Versorgung helfen möchte, kann dieses sehr sehr gern tun. Felix und wir bedanken uns sehr dafür!

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