Großes Katzenelend in Wald und Feld

Eine völlig unerwartete Wendung nahm ein Anruf vom Sonntagabend, 13. Oktober 2019 … Wir wurden gerufen, weil einem Anwohner mindestens 8 Katzenwelpen die Weiterfahrt mit dem Auto unmöglich machten. Sie saßen mitten auf der Straße in der Feldmark – im menschlichen Nirgendwo. Wir fuhren dort hin und es war wie beschrieben: eine große Anzahl leuchtender Augen blickte uns aus der Dunkelheit entgegen. Die kleinen Katzen hatten sich mittlerweile ins Unterholz unter die Brombeeren zurückgezogen. Wir gaben alle unser Bestes, aber es war im Dunkeln nicht an sie heran zu kommen. Wir mussten die Aktion abbrechen. Wir ließen reichlich Futter und auch schon einmal Fallen für die geplante Einfang-Aktion vor Ort … am nächtsen Morgen war alles aufgefuttert, aber von den kleinen Katzen war nichts mehr zu sehen. Keine Spur. Nun hieß es, die Gruppe zu finden. Futter und Fotofallen wurden platziert … und die Fallen bestückt und scharf gestellt. Jede Stunde fuhr jemand hin und sah nach, ob ein kleines Kätzchen in der Falle saß.

Überall wurden Katzen gesehen und gemeldet. Sie laufen dort seit mehreren Jahren herum. Ein Großteil der Katzen wird nicht lange überleben. Die Katze ist kein Wildtier. Ihr fehlen wichtige Voraussetzungen um selbsständig leben zu können. Die Katze ist ein Haustier und sie wird nicht zu einem Wildtier wenn man sie im Feld aussetzt.

Aber statt der Katzenkinder hatten wir plötzlich einen Teenager in der Falle. Ein roter Kater, ca. ein halbes Jahr alt, war uns in die Falle geraten. Er sah schlimm aus. Ein Auge war trüb und im Gesicht hatte er eine tiefe Narbe … Wir nahmen ihn mit. Er sollte gründlich untersucht werden. Er befindet sich nun mit einem schlimmen Katzenschnupfen in der Obhut eines Vereinsmitglieds. Dort wird er bleiben. Er hat riesengroßes Glück gehabt! Später noch ein Fangerfolg … wieder kein Katzenkind, sondern eine ausgewachsene weibliche Katze. Auf dem Tierarzttisch wurde schnell klar: Die Katze ist tragend! Ein runder Bauch und ein bereits ausgebildetes Gesäuge waren deutliche Hinweise auf die Tächtigkeit der Katze. Wohin mit ihr? Raus lassen? Dann bekäme sie draußen ihre Welpen. Vermutlich würde sie die nicht mal mehr groß bekommen. Es wurde ja bereits sehr kalt. Zudem würde sie nicht noch einmal in die Falle tappen und dann hätte es noch eine unkastrierte Katze, die dann im kommenden Frühjahr wieder Nachwuchs bekäme usw. Also, keine Option.
Zum Glück haben wir ganz tolle Pflegestellen und eine hatte sich tatsächlich bereit erklärt, die „Mutti“ zu beherbergen – so lange bis sie ihre Welpen groß gezogen hat. Sie heißt nun Freya und genießt beste Versorgung. Sie wird auch schon zutraulicher … Wir warten alle sehr gespannt auf die Geburt. Was später mit Freya passiert ist noch nicht klar.
Draußen wurde nun aber deutlich, dass es sich in der Gegend um ein größeres „Problem“ handelte. Immer mehr Anwohner berichteten über Katzen in den Feldern und den kleinen Waldstücken. Weit draußen in der Feldmark. Eine Frau aus Suderbruch rief uns an und berichtete über einen jungen Kater, der war beim Spaziergang hinterhergelaufen. Zahm! Er wurde dort draußen einfach ausgesetzt!

Zumindest einige der unzähligen Katzenkinder, die in diesem Herbst geboren wurden, konnten wir vor einem Leben ohne Versorgung bereits retten. Es gibt jedoch noch viel zu tun.

Wir stellten nun mehrere Futterstellen und Fallen auf und alle Kameras waren im Einsatz … Futter wurde sehr gut angenommen und die Kameras lieferten den Beweis: Es waren Katzen da. Nun hieß es, sie einzufangen. In einem so großen Gebiet kein leichtes Unterfangen. Fünf erwachsene Tiere und mittlerweile acht Welpen konnten wir bisher einsammeln. Die kleinen Katzekinder durften ausnahmslos in die warme Kinderstube ins Tierheim Hodenhagen ziehen. Sie werden dort ver- und umsorgt, werden an Menschen gewöhnt und später dann in schöne und gute Zuhause vermittelt. Die erwachsenen Katzen sind kastriert worden und bekommen langfristig Futterstellen eingerichtet. Leider gibt es für sie keine anderen Möglichkeiten. Der Zeitpunkt, sie an Zusammenleben mit Menschen zu gewöhnen ist verpasst. Niemand möchte sie aufnehmen. Ihre Chancen jemals vermittelt zu werden ist sehr gering. Aus dem Grund bleiben sie in ihrem gewohnten Lebensraum. Es ist gut, dass sie kastriert wurden und nicht weiterhin jedes Jahr dem Stress ausgesetzt sind unzählige Kinder großziehen zu müssen. Trotzdem ist es jedes mal traurig, wenn man sie doch wieder zurück setzen muss. Nach Draußen in den Winter – dem Wetter ausgesetzt. Ohne tierärztliche Versorgung. Ein Umstand, der verursacht ist durch verantwortungslose Menschen. Jede dieser Katzen hat irgendwo ihren Ursprung. Irgendwann hat ein kätzischer Vorfahre bei einem Menschen gelebt, der sich der Verantwortung für sein Tier und dessen Nachkommen entzogen hat.

Diese kleine Katze hat es geschafft. Noch begreift sie nicht, was für ein Glück sie hatte. Sie wird ein schönes Leben führen können. Sie wird gut versorgt werden und wenn sie krank ist, wird sie zum Tierarzt gebracht werden. All das bleibt den Katzen, die noch draußen sind verwehrt.

Das Leid tragen nun die Unmengen an Katzen, die dort ihr Leben fristen müssen.

Es sind noch lange nicht alle Katzen dort im Feld einfangen. Das Ganze wird vermutlich ein sehr langwieriges Projekt. Jeder, der uns helfen kann und möchte, ist herzlich willkommen. Es müssen Futterstellen betreut werden; Tiere müssen transportiert werden; ins Tierheim, zu Pflegestellen oder zum Tierarzt und wieder zurück; Fallen müssen aufgestellt werden und kontrolliert werden. Eine Menge Arbeit und ein großer Zeitaufwand.

Meldet euch sehr gern bei uns.

Futterstellen sollen die Katzen zumindest vor dem Hungertod bewahren.