Blue darf nach Hause

Endlich ist er gefunden und darf wieder zu seiner Familie nach Leipzig.

Endlich, nach so vielen Wochen (Blue war am 6.7.2019 in Rodewald u.B. verschwunden) ein Hinweis auf den grauen Rassekater. Am Sonntag, den 13. Oktober, erhielten wir einen Anruf. Blue ist gesehen worden. Er hatte sich in einer Garage an einem Sack Vogelfutter zu schaffen gemacht. Vermutlich haben raschelnde Mäuse ihn dazu bewogen, dort einmal nachzuschauen. Sein Glück! Denn in dem Moment kam die Garagenbesitzerin mit dem Fahrrad nach Hause und konnte ihn in der Dämmerung bei gutem Hoflicht eindeutig identifizieren. Und zum Glück erinnerte sie sich auch an den Aushang im Supermarkt, als Blue im Sommer verschwand. Sie rief an, um die Sichtung zu melden. Jetzt begann die Suche. Blue war zwar nicht allzu weit von dem Ort entfernt, wo er entlaufen war, aber er hielt sich mittlerweile auf der anderen Straßenseite auf – so schien es zunächst.
Futter wurde aufgestellt, denn ohne etwas Fressbares findet man entlaufene Katzen niemals. Natürlich saß die Nachbarskatze in der Falle und Blue ließ sich nicht mehr blicken.

Wir sahen uns das Gebiet einmal von oben an (google maps sei dank!). Katzen laufen ja in der Regel nicht wie wir auf Straßen sondern sie bevorzugen Wege, die ihnen Deckung ermöglichen. Direkt gegenüber dem Sichtungsort liegt in Rodewald das Seniorenzentrum. Ein großer Garten mit vielen Möglichkeiten zum Verstecken umrandet die Gebäude. Wir stellten uns vor, wir wären eine Katze – und kamen zu dem Schluß, dass Blue sich vermutlich auf diesem Grundstück aufhalten würde. Das Seniorenzentrum liegt auf der selben Seite wie die Ferienwohnung, aus der er entlaufen war und direkt gegenüber der Sichtungsstelle. Wir fragten die Heimleitung ob wir auf dem Grundstück eine Futterstelle einrichten dürften. Alle waren sehr nett und sofort hilfsbereit. Der Hinweis, dass sich am rückwärtigen Eingang immer Katzen aufhalten würden war Gold wert. Wir durften auf der Terasse am Hintereingang Futter und Kamera aufstellen. Dafür möchten wir uns hier noch einmal ganz ganz herzlich bedanken. Das war nicht selbstverständlich.
Wir fuhren noch einmal die Straße hinauf, die vom Heim zur Ferienwohnung führt. Nachbarn mähten gerade den Rasen. Als wir nach Blue fragten, sagten auch sie, dass sie ihn vermutlich vor einigen Wochen an der Straße haben laufen sehen. In Richtung Seniorenzentrum. Und auch am Abend.
Nach zwei Tagen prüften wir die Kamera und was sahen wir – Kater Blue, der ganz interessiert und augenscheinlich hungrig am Futternapf saß. Und das mehrfach in der Nacht. Allerdings tatsächlich nur in der Nacht. Die Nachricht, dass Blue gesehen wurde, machte die Runde. Und nun kam noch ein Hinweis. Man habe ihn gesehen, zwei Tage zuvor, gegen 18 Uhr. Ebenfalls an der Straße.

Nun konnten wir reagieren. Falle wurde aufgestellt mit ganz vielen Leckereien für Katzen. Wir setzen uns ab 17.30 Uhr im Auto auf die Lauer. Es wurde 19 Uhr. Blue kam tatsächlich aus Richtung Ferienwohnung direkt auf unser Auto zugelaufen. Er war sehr dünn, aber er war da. Jetzt konnten wir auch erkennen, was sich auf der Kamera schon dargestellt hatte. Das Halsband hatte sich um die Schulter und die Brust geschnürt. Er muss damit hängen geblieben sein. Vermutlich sogar schon am Tag seines Verschwindens. Denn im Juli hatten wir bereits für ca. 10 Tage eine Futterstelle vor Ort eingerichtet – er war nie zu sehen. Wie vom Erdboden verschluckt. Wahrscheinlich konnte er sich nach einer ganzen Weile und weil er ja auch dünner wurde und das Halsband damit weiter, irgendwie befreien. Nun lief er mehr schlecht als recht mit dem eingeschnürten Bein durch die Gegend. Jagen konnte er damit nicht. Er muss sich mit Futterresten durchgeschlagen haben.

Die Hoffnung war riesig, dass er – hungrig wie er war – sofort in die aufgestellte Falle gehen würde. Weit gefehlt. Er war sehr misstrauisch. Mehrfach schlich er um die Falle herum, aber er ging nicht hinein. Als wir ausstiegen und ihn ansprachen, blieb er zwar sitzen und er hörte sich an was wir ihm zu sagen hatten, aber er wich zurück als wir auf ihn zugingen. So kamen wir nicht an ihn heran.
Für diese Nacht war er verschwunden. Am nächsten Abend das gleiche Spiel. Nach vier Stunden brachen wir ab und baten die Nachtschwester ein Auge auf die Falle zu haben und uns ggf. anzurufen. Diese hatte auch einen Fangerfolg – es war allerdings ein Igel. Am dritten Tag stellten wir eine zweite Falle auf. Eine andere. Viellleicht ging er in diese, denn sie war offener und machte auf ihn wahrscheinlich nicht den Eindruck einer Transportbox, die er ja kannte. Wir bestückten die Fallen, sprachen uns mit dem Pflegepersonal ab und fuhren für den Abend zunächst nach Hause.

Jeden Abend zuvor war Blue sehr pünktlich an der Futterstelle aufgetaucht. Katzen haben glücklicherweise einen sehr regelmäßigen Rythmus. Sie tun in der Regel immer die gleichen Dinge zu gleichen Zeiten.
Und dann kam tatsächlich um kurz vor halb acht der ersehnte Anruf aus dem Seniorenzentrum. Die Nachtschwester kam gerade zum Dienst, als es in einer der Fallen raschelte. Sie sah nach und endlich – Blue saß in der Falle. Sofort fuhren wir los ihn abzuholen. Er weinte sehr als wir kamen. Er wusste ja nicht, dass nun alles gut werden sollte.
Wir fuhren gleich mit ihm zum Tierarzt. Frau Neubert von der Praxis Dr. Edriss nahm sich zum Glück am Samtag Abend die Zeit, ihn anzuschauen. Blue war der allerliebste Kater und hat alles sehr gut mitgemacht. Es war furchtbar. Das Halsband hatte sich schon in dem Kater verwachsen. Man roch es auch. Blue stank nach Eiter und gammligen Fleisch. Es war schwer mit anzusehen, wie die Tierärztin das Halsband aus Blues Fleisch ziehen musste. Es war einmal um die ganze Katze gewickelt. Es muss schrecklich weh getan haben. Der Kater sagte keinen Ton. Er blieb vorbildlich lieb.
Endlich war das Ding ab und tiefe Wunden kamen zum Vorschein. Blue bekam sofort ein Schmerzmittel und ein Antibiotikum gespritzt. Trotzdem musste er schlimme Schmerzen haben. Und wenn man sich vorstellt, dass er fast vier Monate so rumlaufen musste … man mag es gar nicht fassen. Für Blue war es wirklich allerhöchte Zeit gefunden zu werden. Den Winter hätte er so nicht überstanden und mit den Wunden hätte er vermutlich durch die Infektion irgendwann eine Blutvergiftung bekommen. Von unerträglichen Schmerzen ganz zu schweigen. Er hat wirklich im letzten Moment Glück gehabt, dass ihn jemand erkannt und sich gemeldet hat.
Er war über Nacht in unserer Obhut und er wird heute noch von seiner Familie abgeholt. Diese ist überglücklich, dass sie ihn wieder haben. Wir sind ganz sicher, dass es dem Kater ebenso geht. Es wird noch eine ganze Weile dauern bis seine schlimmen Verletzungen abgeheilt sind, aber er hat es überlebt. Ein tapferer Kater, der wirklich gekämpft hat. Wir wünschen ihm das Allerbeste und eine schnelle Genesung.

Fazit: Zum einen bitten wir alle Katzenhalter, ihren Lieblingen niemals ein Halsband umzubinden wenn sie in der Natur unterwegs sind. Es ist egal, was der Hersteller auf den Zettel schreibt und wie gut der angebliche Sicherheitsverschluß beschrieben wird. Jedes Halsband ist eine große Gefahr für die Katze. Sie kann sich strangulieren oder hängen bleiben oder sie verwickelt sich darin wie im Fall Blue. Ganz furchtbare Verletzungen sehen die Tierärzte nicht selten verursacht durch ein Halsband. Oftmals findet man die Tiere auch tot. Erhängt oder den schweren Wunden erlegen. Bitte, bitte – niemals ein Halsband für die Katze. Lasst sie mit einem Mikrochip versehen. Dort sind alle Daten zum Halter und zum Tier gespeichert. Jeder Tierarzt, Tierheime oder Polizei hat ein Lesegerät. Mit dem Microchip findet deine Katze jederzeit den Weg nach Hause ohne die Gefahren eines Halsbandes.
Zum anderen möchten wir hier einmal deutlich machen, wie Katzen sich in einer fremden Umgebung fremden Menschen gegenüber verhalten. Der Kater ist 8 Jahre alt, hat immer bei Menschen gelebt und trotzdem hat er sich trotz seiner Not in den ganzen Wochen keinem Menschen angenähert. Ohne die Falle hätten wir ihn niemals einfangen können. Bitte geht mit offenen Augen durch den Alltag und schaut die Tiere in eurer Umgebung genauer an. Mit ein bisschen Aufmerksamkeit könnt ihr viele Tieren aus Notlagen befreien. Ob es ein Vogel ist, eine Katze oder ein Hund. Ein zweiter Blick kann Leben retten.

Wir sagen allen Menschen ein großes Dankeschön für die Hilfe bei der Suche nach Blue. Ohne die Hinweise und Tipps hätten wir ihn niemals finden können. Vielen, vielen Dank!!!