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Toxoplasmose – behaltet es im Hinterkopf!

Das Wort hat bestimmt nahezu jeder von euch schon mal gehört – meist im Zusammenhang mit Schwangerschaften. Toxoplasmose ist eine Infektion mit Parasiten. Anstecken kann der Mensch sich durch den Verzehr von rohem Fleisch oder nicht gut gewaschenem Gemüse aus dem Garten … Und auch durch den Kontakt zu kontaminiertem Katzenkot. Der muss dann aber auch quasi in den Mund … was man ja in der Regel so nicht macht. Die Katze ist zwar der Endwirt der Parasiten, aber bei weitem nicht die häufigste Ansteckungsquelle für den Menschen. Hier soll es auch nicht um den Menschen gehen sondern um die Katze, eigentlich um den Kater … Kater Mogli.

Er ist inzwischen fast 16 Jahre alt und ich kenne ihn schon sein ganzes Leben lang. Er war der Kater meiner Nachbarn. Diese sind nun weg gezogen und haben mir Mogli da gelassen. Mogli war sein Leben lang ein Draussenkater. Er ist zwar sehr anhänglich und am liebsten immer dabei und in der Nähe, aber so Dinge wie Autofahren, Transportboxen, regelmäßige Tierarztbesuche oder eine geschlossene Tür kennt er nicht und mag er nicht. Darum war ich wirklich heilfroh, dass eine gute Bekannte und Frau vom Fach ihre Hilfe anbot und mir Mogli in die Kiste setzte, damit wir mit Blaulicht in die Praxis fahren konnten. Das erste Mal mit Mogli beim Tierarzt … ich hatte es wirklich lange hinausgezögert. Ich hatte mir große Sorgen gemacht, dass er den Stress vielleicht nicht überleben würde, denn niemand wusste genaues über seinen Gesundheitszustand. Hätte ich gewusst, was bei unserem Besuch heraus kam, wäre ich schon im letzten Sommer gefahren – vorher „gehörte“ er ja den Nachbarn …

Sorgen wegen des Transports machte ich mir, weil er schon seit einer ganzen Weile (Jahre!) immer mal wieder merkwürdigen Husten hatte … vor allem wenn er gestresst war. Ich dachte, es könne eine Herzschwäche dahinter stecken. Mogli hatte auch seit einigen Jahren immer mal wieder ein sehr rotes Auge. Mal war es ganz schlimm und dann war es wieder okay … aber meist nach Schlimm auch noch etwas trüber als vorher. Ich hatte die Besitzer damals auf das Auge aufmerksam gemacht und sie hatten auch einen Tierarzt kommen lassen. Der diagnostizierte „wohl“ eine Hornhautverletzung. Behandelt wurde es nicht und es war auch keine Hornhautverletzung sondern eine Uveitis, die später immer wieder aufflammte.

So sieht Moglis Auge aus wenn die Uveitis wieder ausbricht. Man kann das Auge behandeln mit Cortison und Athropin. Allerdings hat man weder bei FIV noch bei Toxoplasmose gute Chancen die Erkrankung richtig in den Griff zu bekommen. Wer ein so rotes Auge bei seiner Katze feststellt, sollte umgehend einen Tierarzt aufsuchen.

Eines Morgens vor ca. vier Jahren kam er zu mir und konnte hinten links nicht mehr richtig laufen. Irgendwie blieb das Bein manchmal einfach stehen. Ich dachte damals es sei Arthrose nach einem Unfall, denn beim Treppen hinablaufen sah man es am deutlichsten. Es machte ihm Mühe das linke Bein die Treppe hinunter zu kriegen. Es wurde dann etwas besser aber weg war es nie … man sah auch zunehmend, dass das Bein, die Muskulatur dünner wurde.
Nach dem Mahlzeiten musste Mogli immer aufstoßen. Hier dachten wir an eine Magenschleimhautentzüdung oder ähnliches. Er bekam eine ganze Zeit etwas gegen Sodbrennen von mir. Auch das Futter hatte ich umgestellt. Gastrofutter … nicht sein liebstes Futter. Geholfen hat das alles aber auch nicht wirklich. Immer mal wieder war Mogli ein bisschen krank. Ich merkte es immer dann, wenn er nicht richtig fressen wollte, viel schlief und sein Fell nicht so schön war. Er hat einige Male Medizin bekommen weil ich der Meinung war, er habe eine Mandelentzündung oder so etwas. Auch die Zähne hatte ich in Verdacht … oder einen Polypen, der würde zum Husten passen und auch zum Röcheln. Alles „kleine“ Baustellen, die über die letzen Jahre aufgetreten waren, den Kater aber nie so krank gemacht haben, dass ich dachte, er müsse in jedem Fall zum Tierarzt.
Und nun vor ein paar Wochen kam wieder etwas hinzu … das rechte Hinterbein schien ein Problem zu haben. Er lahmte von einem Tag auf den anderen. Das sah ziemlich schlimm aus. Er bekam Schmerzmittel und allerlei Globuli. Er lief weiterhin auf dem Bein, aber es sah merkwürdig aus. Er rollte sich damit auch auf dem Rücken, streckte es aus und irgendwie dachte ich da schon … so richtig schmerzhaft sieht es nicht aus … Es wurde wieder etwas besser. Man sah es zwar noch, dass etwas nicht ganz richtig lief, aber es lief. Damit war ich dann wieder erst einmal zufrieden.
Wie gesagt, Tierarztbesuche kannte er nicht und ich wollte ihn auf keinen Fall in seinem Alter damit umbringen.

Dann wurde er mit einem Mal schlapp. Er taumelte regelrecht, konnte sich gar nicht halten. Sein Hinterteil kam nicht mehr richtig hoch und wenn er lief, dann wie ein Betrunkener. Er mochte nicht recht fressen und ich war der festen Überzeugung dass er hohes Fieber haben musste.

Da ich inzwischen wusste, dass Moglis Herz normal gut schlug und auch die Lunge nicht voller Wasser lief (er wurde freundlicherweise zuhause abgehorcht) musste ich das „Risiko“ eingehen und ihn nun endlich zum Tierarzt bringen. Ich war soo aufgeregt!!!! Es klappte aber alles wirklich hervorragend. Es ging alles so schnell, dass ich es gar nicht recht mitbekam. Schwupps, sass er in der Box. Los gings zum Tierarzt. Ich machte mir Sorgen dass er in der Box völlig durchdrehen würde, aber er war so schwach, dass er sich wirklich zugab. Aber eine gründliche Untersuchung ohne Narkose … no way … also legten wir Mogli schlafen. Wie gesagt, er ist 16 und wir wussten nichts über seinen Zustand. Hätte auch schief gehen können. Ist es aber nicht. Mogli wurde auf den Kopf gestellt. Zähne wirklich super für sein Alter, die Knochen, Gelenke und die Wirbelsäule auf dem Röntgenbild komplett ohne Befund … von Arthrosen keine Spur. Ein Schnelltest ergab, dass er FIV positiv ist. Das hatte ich aber nicht anders erwartet. 16 Jahre nur Draussen!!!!! Er hatte auch kein Fieber, eher Untertemperatur. Das einzig Auffällige war eine stark vergrößerte Milz. Alle anderen Organe waren in Ordnung.

Das war natürlich eine tolle und total unewartete Nachricht. Nichts von alledem, was wir vermutet hatten, bewahrheitete sich. Mogli war eigentlich tiptop in Schuss. Auf das Blutergebnis mussten wir nun aber noch warten. Ich war völlig perplex … es war nicht Greifbares herausgekommen … warum ging es ihm so schlecht??? Er bekam eine Cortisonspritze, weil der Verdacht nahe lag, dass es ein FIV Schub sei, der ihm so zu schaffen machte. Cortison ist ja auch tatsächlich ein kleines Wundermittel und hilft bei sehr vielen Dingen zunächst sehr gut.

Nach einer Stunde konnte ich Mogli dann halbwegs wach wieder abholen. Er konnte natürlich nicht gleich wieder raus. Also machte ich ihm ein kleines Zimmer fertig, was er bis dahin nicht kannte. Er war zwar etwas irritiert, aber er hat sich tatsächlich dann für mehrere Stunden hingelegt und seinen Rausch ausgeschlafen. Und weil er später sogar Futter genommen hat und nicht absolut panisch war wegen der geschlossenen Tür, beschloss ich, dass er die Nacht über drinnen bleiben sollte. Auch wegen der Untertemperatur. Draussen war es noch sehr kalt. Ich machte es ihm ordentlich warm. Später rief mich die Tierärtzin noch einmal an und besprach mit mir das weitere Vorgehen. Ich fragte sie nach einem Toxoplasmosetest und berichtete über die Untersuchung meiner Lotta in der Tiho. (Den Bericht findet ihr weiter hinten.) Also wurde das Blut neben allen Organwerten auch auf Toxoplasmose untersucht. Mogli blieb drei Tage und drei Nächte bei mir im Haus – bis das Ergebnis kam. Ich hatte das Gefühl, dass er ganz froh war über die Ruhe und den warmen Platz. Moglis Blutwerte waren die eines sechsjährigen Katers! Alles ganz wunderbar in Ordnung. Bis auf den Toxoplasmosetiter. Der war so hoch, dass er nicht mehr weiter messbar war. Mein Bauchgefühl war richtig gewesen. Mogli schien ein Problem mit Toxoplasmose zu haben. Allerdings sagt so ein Titer nicht wirklich aus ob er akut erkrankt ist oder ob die Infektion schon vorüber ist, vielleicht sogar schon lange … Der Titer sagt nur, dass er Kontakt zu Toxoplasmen hatte und nun Antikörper entwickelt hat. Ich fing an zu lesen und als ich auf die Symtome bei einer chronischen Toxoplasmose stieß, waren all die Dinge, die ich in der Vergangenheit an Mogli festgestellt hatte zu 100 Prozent mit einer Toxoplasmoseinfektion in Verbindung zu bringen. Der Husten, die chronische Uveitis, die Lahmheiten, das Aufstoßen. Alles tauchte genau so als Symptom einer Toxoplasmoseinfektion auf. Ich war fassungslos. Wurde es doch bei meiner Katze vor einem Jahr als Grund für ihr Leiden ausgeschlossen, litt mein kleiner Nachbar genau daran.

Chronische Toxoplsmose ist (mal wieder) sehr selten und kommt eigentlich auch nur bei alten und immungeschwächten (FIV) Tieren vor. Trifft auf Mogli leider alles zu. Man müsste nun eigentlich weitergehende Untersuchungen anstellen um die Diagnose zu verifizieren. Ein MRT würde vielleicht Entzündungsherde im Gehirn zeigen oder eine Punktion im Rückenmark eine Entzündung eben dort … es ist gar nicht so einfach, die Herde zu finden. Und die „Findung“ macht auch keinen Unterschied bei der Behandlung. Es gibt nur ein einziges Antibitikum, was hier helfen kann. Und das erreicht z.B. Herde im Gehirn nur mittelgut.
Kater Mogli ging es nach dem Tierarztbesuch und der zwangsweisen Ruhepause im Haus deutlich besser. Er hatte wieder Appetit und er lief auch wirklich wieder sehr gut. 14 Tage lang … dann hatte er einen bösen Rückschlag. Ich vermute, dass das Cortison die Entzündung im zentralen Nervensystem zunächst gebessert hatte. Als ich ihn an dem Nachmittag rief, konnte er das rechte Bein fast gar nicht benutzen. Er lahmte schlimmer als jemals zuvor. Es war ihm nicht mal möglich die Pfote richtig aufzustellen wenn er lief. Er fauchte mich an und er war völlig durch den Wind. Ich glaube, er hatte Angst davor, was mit ihm passierte. Wir hatten gar keine Wahl, wir konnten nur die Therapie versuchen mit dem Antibiotikum. Da nicht klar war, ob es eine aktue Infektion, ein akuter Schub war, wollten wir ihm erst einmal kein weiteres Cortison geben.
Nun bekommt Mogli seit mehr als 14 Tagen Clindamycin. Zwei mal täglich. Zusätzlich bekommt er Pregabalin, damit er keine Schmerzen hat. Ausserdem versuchen wir mit Vitamin B Komplex seine Nerven zu unterstützen. Und er bekommt einige homäopathische Mittel, die ihm helfen sollen. Das Antibiotikum muss er mindestesn 4 Wochen einnehmen. Es ist ein starkes Mittel und die Tabletten riesig und bitter. Zum Glück ist die Einnahme mit Mogli kein Problem. Geviertelt und eingepackt in Leckerlis nimmt er alles wirklich ohne Murren ein. Das wäre so nicht mit jeder Katze möglich. Mit den wenigsten vermutlich. Sein Zustand ist etwas besser geworden. Seine Lahmheit ist noch da, aber vielleicht ein kleines bisschen weniger. Dem Kater selbst geht es aber besser. Er frisst gut und mit Appetit, sein Fell ist schön, das Auge sieht besser aus und er hat einen großen Willen wieder gesund zu werden. Wir können nur hoffen, dass es weiter bergauf geht und das Medikament zumindest soweit hilft, dass er nicht volkommen erlahmt oder auch noch inkontinent wird.

All seine Symptome würden tatsächlich auch zum Katzenaids passen. Jedoch sprechen seine Blutwerte und sein allgemeiner Zustand eher gegen den Ausbruch. Die Toxoplasmose ist eine Ausschlussdiagnose. Ich rate hier jedem Katzenhalter dringend an, bitte immer auch an Toxoplasmose zu denken, wenn die Katzen Symptome zeigen, die nicht so recht zuzuordnen sind. Eigentlich verläuft eine Toxoplasmoseinfektion bei der Katze ohne große Komplikationen. Oft wird sie gar nicht bemerkt. Aber sie kann eben auch so enden wie bei Mogli. Dann ist die Infektion hoch gefährlich und lebensbedrohlich. Rechtzeitig behandelt, geht es den meisten Tieren dann wieder gut. Mogli schleppt diese schlimme Krankheit seit Jahren mit sich und sie bricht immer wieder in Schüben aus und hinterlässt einen weiteren Schaden. Heilen können wir Mogli nicht mehr. Wir können nur hoffen, dass wir den Verlauf gestoppt bekommen und er noch eine Weile einigermaßen beschwerdefrei leben kann. Wir versuchen alles, damit wir das schaffen können.

„Zucker“süßer Popeye – Diabetes mellitus bei der Katze

In diesem Bericht geht es (mal wieder) um unseren Sorgenkater Popeye. Diesen ganz besonderen kleinen Kerl mussten wir ja leider schon oft mit unterschiedlichen Symptomen dem Tierarzt vorstellen. Angefangen bei der Kastration vor vielen Jahren. Zu dem Zeitpunkt war sein wirklich schlimmes Gebiss schon gesehen worden. Auch seine Infektion mit dem Felinen Immundefizienz-Virus (FIV) ist seitdem bekannt. FIV ist dem menschlichen HIV gleichzusetzen. Der Verlauf der Krankheit ist ähnlich. Allerdings ist die Lebenserwartung einer Katze mit FIV nahezu gleich einer „gesunden“ Katze. Viele Tiere werden gar nicht getestet, weil es einfach keinen Hinweis auf eine Erkrankung gibt. Die Dunkelziffer ist unter den Freigängern hoch. Auch unser Popeye kam ja mit der Infektion jahrelang gut zurecht. Als wir endlich ein „Zuhause“ für ihn gefunden hatten, wurde er noch einmal gründlich durchgecheckt und bei der Gelegenheit wurde dann auch sein Gebiss auf Vordermann gebracht. Er hatte sehr viele Zähne, oder was davon übrig war, eingebüßt. Diesen doch recht großen Eingriff konnten wir nun vornehmen lassen, weil er ja in Obhut war und eine Nachversorgung der Wunden und ein Schmerzmanagement gewährleistet war. Er erholte sich gut und blieb eine Weile in dem ihm zugedachten neuen Heim. Dieses lag allerdings direkt neben seinem Geburtshof und dem alten Revier und sobald er das erkannte, war er wieder auf Achse … wir sahen ihn ca. 1,5 Jahre nur von weitem. Dann fiel er auf mit einer Beule unter dem Bauch. Ein Nabelbruch. Wir sammelten ihn wieder ein und ließen ihn operieren. Danach habe ich ihn meiner Verwandschaft aufs Auge gedrückt. Zunächst als Pflegekater übernahm meine junge Nichte ihn. Ganz schnell wuchs die Liebe zwischen Nichte und Kater. Popeye ist wirklich schwer verliebt in seine „Mutti“ und er wird von ihr nach Strich und Faden verwöhnt. Nachts schläft er gern auch mit auf dem Kopfkissen. Ganz nah bei ihr. Zuckersüss!!!! Und nun kommt es: Den Zucker bei seiner „Süßigkeit“ hat Popeye leider allzu wörtlich genommen. Da er aufgrund einer chronischen Bronchitis Cortison verschrieben bekommen hatte (was ihm auch gut half), hat er einen Diabetes mellitus entwickelt. Das kann tatsächlich durch die Gabe von Cortison so passieren.

Unser kleiner Streuner kämpft mit so vielen Baustellen. Dieses ist seine größte und wir hoffen, dass wir sie gemeinsam mit ihm abschließen können. Er wird das schaffen!

Zunächst freute sich meine Nichte, dass ihre „Diät“ scheinbar fruchtete und Popeye etwas von seinem Übergewicht abgenommen hatte. Doch das wurde irgendwann deutlich zu viel und viel zu schnell. Dann kam noch Durchfall dazu, was er zuvor nie gehabt hatte. Der Besuch beim Tierarzt brachte die Diagnose: Popeye ist zuckerkrank. Ausgelöst durch Cortison.

Erst waren wir alle erleichtert, dass es „nur“ Diabetes war und nicht etwa ein Tumor oder ähnlich schreckliches. Unsere Ernüchterung kam schnell. Katzen mit Diabetes sind ausschließlich mit Insulin zu behandeln. Das heisst, Popeye musste gespritzt werden. Und damit nicht genug … vor der Spritze muss auch noch der Blutzucker kontrolliert werden und auch die Ketonwerte spielen bei einem Diabetes eine große Rolle. Also Blut abnehmen. Zwei mal täglich! Und zwei mal täglich spritzen!

Im Eilverfahren studierten wir das Thema Katzendiabetes. Wir waren völlig überfordert und sehr sehr unsicher. Popeye schwebte bei jeder Handlung die wir von nun an und um ihn vornahmen potentiell in Lebensgefahr … eine mega Verantwortung!!!!! Wir waren ständig in Sorge.

Unsere Tierarztpraxis nannte uns eine Internetseite, erstellt von einer Tierärztin, die sich auf Katzendiabetes spezialisiert hatte. Dort stand viel, sehr viel Information, aber am Ende brauchten wir das persönliche Gespräch mit dieser Fachfrau und die Gewissheit, dass wir jemanden an der Seite hatten, den wir Tag und Nacht im Notfall erreichen konnten, der unsere gemessenen Werte verstand und darauf zu reagieren wusste, der uns einfach ein Stück Verantwortung abnahm. Ohne Frau Menz hätte Popeye die erste Woche mit Insulin nur sehr vielleicht überlebt.

Inzwischen ist meine Nichte total routiniert geworden. Und Kater Popeye ist, wie jedes mal, ein vorbildlicher Patient. Anfangs hatte er, wie wir, große Angst vor der Stechhilfe, die in sein Ohr piekste um einen Tropfen Blut zu gewinnen. Die eigentliche Insulinspritze in die Flanke war tatsächlich von Anfang an das kleinere Übel. Die ersten Tage erhielten Patient und Halterin große Unterstützung durch unsere „Pflegestellenmutti“. Die ist vom Fach und konnte hier so gut helfen und instruieren, dass meine Nichte nach ein paar Tagen sagte, sie wolle es alleine versuchen. Und es klappte!!!! Man muss ihr ein wirklich sehr sehr großes Lob aussprechen, denn es gilt bei einer Diabetesbehandlung nicht nur darum, in die Katze zu stechen oder Blut abzunehmen. Der komplette Tagesablauf mit einer Diabeteskatze richtet sich ab dem Zeitpunkt der Diagnose nach dem Tier. Es muss regelmäßig immer zur gleichen Uhrzeit gespritzt werden. Die Katze muss zuverlässig fressen und man muss auch verstehen, was zu tun ist, wenn der Zuckerwert zu hoch oder zu niedrig ist. Es erfordert sehr viel Disziplin und man muss auf einiges verzichten. Jeden Morgen, auch am Wochende, heisst es um 6 Uhr Aufstehen, Kater bekuscheln, Blutzucker messen, Katze füttern und dann Insulin spritzen. Wenn man dann berufstätig ist, oder wie meine Nichte zusätzlich zur Arbeit noch ein Studium absolvieren muss, gilt es, seinen Tag extrem gut zu planen. Alle Leichtigkeit, Spontanäität muss hinten anstehen. Zum Glück wird Popeye so sehr geliebt, dass man bereit ist, sich so liebevoll und aufopfernd um ihn zu kümmern.

EIN RIESEN DANKESCHÖN AN POPEYES „MAMA“ und AN UNSERE PFLEGESTELLE für die großartige Unterstützung und allzeite Bereitschaft einzuspingen.

Hier nun schlaue Dinge über das Thema Katzendiabetes zu veröffentlichen, macht gar keinen Sinn, denn immer noch sind wir auf die Unterstützung einer Fachkraft angewiesen. Darum empfehlen wir hier allen Tierhaltern, die die Diagnose DIABETES bekommen haben, sich hier
http://www.katzendiabetes.info/
gündlich einzulesen und notfalls auch den Kontakt zu Frau Menz zu suchen. Katzendiabetes kommt nicht häufig genug vor, als dass der „normale“ Haustierarzt zu allem und immer zuverlässige Aussagen treffen könnte. Die meisten Tierärzte haben keine ausreichende Erfahrung. Gut, wenn sie dann so fair sind, dieses mitzuteilen und auf eine Fachkraft verweisen.
Vielen Dank an unsere Tierarztpraxis an dieser Stelle für die Größe, Ratschläge von aussen anzunehmen und diese tolle Zusammenarbeit zu ermöglichen! Das funktoniert nicht mit jeder Praxis…

Nun wieder zu unserem Katerchen: Anfangs schien alles in die richtige Richtung zu gehen. Er brauchte nur sehr wenig Insulin und die Werte gingen kontinuirlich nach unten. Wir fanden ein Futter, welches er mochte und welches den Ansprüchen einer diabetischen Katze entpricht … es wurde ruhiger, wir alle entspannter und hoffnungsvoller, dass er den Diabetes vielleicht doch wieder los werden würde. Das Cortison wurde langsam ausgeschlichen und glücklicherweise ging es ihm trotzdem gut.

Und dann fingen die Werte mit einmal an wieder zu steigen. Immer mehr Insulin wurde benötigt, um seine Zuckerwerte wieder runter zu bringen. Dann wieder Durchfall. Er trank unglaubliche Mengen Wasser, die in unglaublichen Mengen hinten wieder raus kamen. Irgend etwas stimmte nicht. Also wieder zum Tierarzt. Inzwischen kann Popeye ohne Sedierung dem Tierarzt vorgestellt werden. Er hat sich sogar Blut abnehmen lassen. Vielleicht merkt er, dass alle ihm helfen wollen und ist deshalb so unfassbar kooperativ. Wir, Frau Menz, hatten eine Bauchspeicheldrüsenentzündung im Verdacht. Das hat sich (zum Glück) nicht bestätigt. Seine Blutwerte sind gar nicht schlecht. Aber ergeben auch keinen Hinweis auf etwas, was man nun behandeln könnte.

ABER: Seine Zähne, die paar, die übrig geblieben waren, machen wieder Probleme. Er hat eine ziemlich starke Zahnfleischentzündung. Leider nicht selten sowohl bei FIV Katzen als auch bei Diabetikern. Diese Entzündung kann nun dafür verantwortlich sein, dass seine Blutzuckerwerte immer höher steigen und wir sie nicht in den Griff bekommen. Es bleibt nur eine Möglichkeit: Die letzten Zähne müssen Popeye auch verlassen. Das geht natürlich nur in Narkose. Und eine Narkose bei einer diabetischen Katze ist, wie kann es anders sein, auch nicht ohne Gefahren und Risiken. So kann man eine diabetische Katze ja nicht hungern lassen, nüchtern lassen … ein Erbrechen während der Narkose ist also wahrscheinlich, aber absolut nicht wünschenswert. Auch ist absolut nicht jedes Narkosemittel anwendbar. Es gilt viel zu beachten und zu managen. Auch hier konnten wir wieder auf das Fachwissen von Frau Menz zurück greifen.

Und das ist nun der Status Quo: der Termin für die Zahn-OP steht. Bis dahin muss er irgendwie durchhalten. Mit viel Liebe gekochtes Hühnchen hilft ihm hoffentlich über die Zeit. Wir müssen und können nur hoffen, dass er den Eingriff, die Narkose gut übersteht und wir danach endlich Blutzuckerwerte zustande bringen mit denen er leben kann.

Ich werde hier weiter über Popeye berichten …
Eines möchten wir hier aber schon mal festhalten: Es ist eine unglaublich große Aufgabe ein diabetisches Tier zu versorgen, aber es ist tatsächlich machbar! Jedem, der am Anfang steht und denkt er schafft das nicht, sei hier gesagt: unterschätzt euch und vor allen Dingen eure Tiere nicht. Meine Nichte muss Popeye nach dieser doch recht kurzen Zeit nicht einmal mehr festhalten bei der Behandlung. Er weiß genau, was passieren soll und macht inzwischen wirklich freiwillig mit. Unsere Tiere verstehen mehr als wir manchmal glauben und es lohnt sich, um sie und ihre Gesundheit zu kämpfen. Wenn man das schafft, kann man man zu Recht sehr stolz auf sich sein!!!